Güner Yasemin Balci kennt Mädchen, die sich als Jungfrauen Gotteskriegern in Syrien verschreiben. Wie so etwas passieren kann, davon erzählt sie Sven Preger in Eine Stunde Talk.

Der Titel des Buches lässt schon erahnen, dass diese Liebesgeschichte kein Happy End hat: "Das Mädchen und der Gotteskrieger". Es ist ein Sachbuch, eine Reportage, und erscheint am 23. Juni im Fischer Verlag. Die Hauptfigur ist Nimet, ein Teenager. "Nimet ist eine Suchende", sagt Güner. Nimets Eltern sind geschieden, ihre Schwester lebt in einer on-off-ungesunden Beziehung zu einem gewalttätigen Mann und Nimet selbst weiß nicht so richtig, wo sie hingehört. Nimet ist ein bisschen lost - so weit, so normal.

"Das sind völlig normale Mädchen, die Anerkennung suchen."
Güner Yasemin Balci

Güner kann nachvollziehen, was das heißt. Sie ist selbst in Neukölln aufgewachsen, im Rollbergviertel - ihre Eltern waren zuvor als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen. Sie sollte als Kind in der Schule in die Türken-Klasse. Alltags-Rassismus. Da Güner nie ein Kopftuch trägt, muss sie sich von Mitschülern Vorwürfe anhören: Sie sei gar keine richtige Muslima. Dabei hat Güner das nie behauptet.

Nimet trifft auf die Seelenfängerin Nour

Denselben Vorwurf muss sich Nimet anhören, als sie auf Nour trifft. Auch jung, auch weiblich, aber viel Koran-fester als Nimet. Nour ist eine Seelenfängerin, die ihren Platz bereits gefunden hat. Als Übermutter der Jungfrauen. "Das ist wie eine Puffmutter", sagt Güner. Nour stellt den Kontakt zu Saed her. Er ist IS-Kämpfer in Syrien. Er telefoniert und textet mit Nimet, ist verständnisvoll, weich und unterweist Nimet in Religionsangelegenheiten. Sie wird sein Mädchen.

"Auch der IS-Terrorist sucht eine echte Seelenverwandte - auch wenn er sich sechs Frauen holt."
Güner Yasemin Balci

Güner recherchiert seit langem in der Szene, muss mit Drohungen leben und Vorsichtsmaßnahmen treffen. Doch sie will sich nicht einschüchtern lassen: "In meinem tollen, freien Land muss das gehen!" In Eine Stunde Talk erzählt sie von ihrem Glauben, vom Kickboxen und von Himbeereis für IS-Krieger.

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