Husam hat am Nationaltheater in Damaskus gespielt, in München Regie studiert und als Korrespondent für Al Jazeera gearbeitet - bis er merkt: Er braucht eine Auszeit. Zwei Jahre reist er um die Welt, um sich selbst zu finden. Von sich erzählt er Sven Preger in Eine Stunde Talk.

Husam hat es schon früh geschafft. Er steht als junger Mann auf der Bühne des Nationaltheaters in der Hauptstadt seines Landes: Damaskus. Doch Husam will mehr und von Syrien aus die Welt erkunden. Schon früh ist er von Deutschland fasziniert. Als Deutschland 1986 im WM-Finale gegen Argentinien verliert, weint Husam.

Alemania steht für alles Gute und Überraschende

Doch es gibt auch gute Nachrichten. Ein Onkel von ihm arbeitet hier als Arzt und schickt immer wieder Geschenke aus Alemania - dieser Begriff wird zu einer Art Zauberwort, das für alles Gute und Überraschende steht. Das wollte Husam unbedingt entdecken.

"Was ist Alemania? Ein Essen, ein Land, ein Buch?"
Husam Chadat

So bewirbt er sich an der Münchener Filmhochschule und beginnt sein Regie-Studium. Doch vor allem das erste Jahr ist hart. Trotz vorherigem Deutsch-Kurs kommt er nur schwer mit, die Sprachbarriere ist einfach zu groß. Außerdem hat er kein Geld. Von einem Brot muss er eine Woche lang leben. Gleichzeitig saugt er auf, was er von der deutschen Hochkultur kriegen kann: von Goethes Texten bis Fassbinders Filme.

"Ich weiß nicht mehr, wie ich das erste Jahr hier geschafft habe."
Husam Chadat

Und er schafft es irgendwie. Abschlussfilm "Just get married", Abschlussprüfung, erfolgreicher Abschluss. Doch es geht erst mal zum realen Fernsehen. Husam arbeitet als Korrespondent für Al-Jazeera, realisiert lange Dokus wie den Film Syria: The Wounds of War und muss kreuz und quer durch Europa reisen - immer auf Abruf.

Fünf Jahre sind genug

Fünf Jahre lang macht er das. Dann hat er genug. Im Oktober 2011 macht er sich auf eine Reise, zwei Jahre lang wird er sich couchsurfend durch die Weltgeschichte treiben lassen, ohne Deadline, aber auch ohne Geld.

Mittlerweile ist Husam zurück in seiner Heimat: Deutschland. Seit 2005 hat er auch den entsprechenden Pass. In Eine Stunde Talk erzählt er von seinem Allemania, vom Couchsurfen in Asien und von der deutschesten aller Serien.