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Gemütlich im Café zu sitzen und am Laptop zu arbeiten, ist heute selbstverständlich für uns. Zumindest, wenn nicht gerade Lockdown ist. Dabei ist diese Form des Arbeitens neu. Wie sie entstand und wo das öffentlich zugängliche Netz seinen Anfang nahm, erzählt der Medienwissenschaftler Stefan Udelhofen.

Computer mit Anschluss ans Internet in einem Café – das war Mitte der 1990er-Jahre neu, so etwas hatte es noch nie gegeben.

"Der Stellenwert von Internetcafés für die Veralltäglichung und Normalisierung der neuen Medien darf nicht unterschätzt werden."
Stefan Udelhofen, Medienwissenschaftler

Die neuen Cybercafés hatten es schwer. Die Gesetze, die Gaststätten und Medien regulieren sollten, zum Beispiel, waren dafür einfach nicht gedacht. Dadurch kam es zu Rechtsprechungen, die uns heute teils merkwürdig anmuten.

"Bis in die frühen 2000er Jahre hinein gehörten Internetcafés zu den sichtbarsten Verkörperungen von Internet und WWW im öffentlichen Raum."
Stefan Udelhofen, Medienwissenschaftler an der Unitversität zu Köln

Computer seien als Spielgeräte zu betrachten, urteilte ein Gericht zum Beispiel, wenn auch nur die Möglichkeit bestehe, auf ihnen Unterhaltungsspiele zu spielen. Wenn man dann, wie in Internetcafés üblich, mehrere solche Computer in einem Raum aufstellt und öffentlich zugänglich macht, dann handele es sich dementsprechend um eine Spielhalle.

Internetcafés: Anfangs Altersbeschränkung und hohe Gebühren für Betreiber

Das wiederum bedeutete: kein Zugang für Leute unter 18 Jahren und hohe Gebühren für die Betreiber. So schnell, wie die neuen Internetcafés entstanden waren, so rasch schlossen deshalb viele auch wieder.

"Internetcafés wurden zur Kulisse, vor der die neuen Medien und medialen Praktiken mit Erwartungen, Hoffnungen und Befürchtungen aufgeladen werden konnten."
Stefan Udelhofen, Medienwissenschaftler

Stefan Udelhofen ist Medienwissenschaftler, sein Forschungsschwerpunkt ist Digitalgeschichte. In seinem Vortrag erzählt er vom holprigen und schwierigen Start der ersten Cybercafés.

Der Vortrag

Der Titel lautet: "Über 'Spieltrieb', 'düstere Kammern' und 'Würgesteuern'. Zur Regulierung des Mediengebrauchs in Internetcafés um 2000". Stefan Udelhofen hat seinen Vortrag am 19. Januar 2021 online gehalten im Rahmen der Vorlesungsreihe "Medien und Macht. Populismus, Überwachung und Zensur". Veranstalter der Reihe ist das Institut für Medienkultur und Theater der Universität Köln.

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