So etwas liest man sonst nur in Kommentarspalten von Medien, doch was tun, wenn Pöbler auf einmal im Büro stehen und die Redaktion als Lügenpresse beschimpfen? Das geschah in dieser Woche der Redaktion des Correctiv.

Dieser Zwischenfall dauerte nur einen Augenblick, aber führte intensive Diskussionen nach sich: Ungebetene Gäste überraschten am Dienstagnachmittag die Berliner Correctiv-Redaktion. Sie verlangten die Journalisten zu sprechen, die rund um den Absturz der MH17 recherchierten, filmten die ganze Zeit und warfen den Correctiv-Mitarbeitern Beleidigungen an den Kopf: "Lügenpresse" und "Ihr seid Lügner" war zu hören. Nach wenigen Augenblicken haben die Correctiv-Mitarbeiter die zwei Protestierenden wieder vor die Tür gesetzt.

Video ins Netz gestellt

Das ist auch auf dem Video zu hören, welches einer der ungebetenen Gäste veröffentlicht hat. Graham Philipps, der schon häufig für RT Deutsch geschrieben hat. RT Deutsch ist in den vergangenen Monaten durch populistische Berichterstattung aufgefallen, die mit russischen Gegnern hart ins Gericht geht. Finanziert wird das Medium von Russland aus. Begleitet wurde Philipps von einem Journalisten, der für die "Junge Freiheit" arbeitet, eine Publikation, die im Grenzbereich zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus fischt.

Was steckt hinter diesem Besuch? Das Correctiv hatte herausgefunden, dass die Maschine von russischen Offizieren aus dem Separatistengebiet abgeschossen wurde. 298 Menschen kamen bei dem Absturz in der Ukraine ums Leben. Die russische Regierung hatte die Recherchen als westliche Propaganda abgetan. Philipps bezeichnet in seinem Video das Correctiv als deutsche Propaganda-Agentur. Pure Provokation? Im Netz wird viel diskutiert. Einige warnen aber davor, den Besuch der ungebetenen Gäste nicht aufzubauschen, damit man nicht indirekt den Vorwurf der Lügenpresse bedient. Wie das Correctiv mit dem Zwischenfall umgeht, erfahren wir in dieser Ausgabe von Redaktionsmitglied Daniel Drepper.

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