Ein Jobwechsel ist heutzutage einfacher als früher. Warum es durchaus bereichernd sein kann, den Arbeitsplatz häufiger zu wechseln, erzählt Architektin Milena. Psychologin und Personalexpertin Ayse Semiz-Ewald weiß, wie wir häufige Jobwechsel am besten erklären, und wie wir überhaupt herausfinden, wann eine Kündigung sinnvoll ist.

Milenas Vater hatte gerade einmal zwei unterschiedliche Arbeitgeber in seinem ganzen Berufsleben. Für ihn ist es deshalb schwer nachzuvollziehen, dass seine Tochter schon drei Mal den Job gewechselt hat. Dennoch sagt Milena, dass ihr Vater sie dafür bewundert, dass sie für sich selbst einsteht und für ihre Karriere. Dass ein Jobwechsel bei jungen Menschen normal ist, erzählt auch Personalexpertin Ayse Semiz-Ewald – besonders in Berlin mit einer großen Start-up-Szene.

"Für mich war das auch immer mit etwas Positivem verbunden. Danach kam immer etwas Besseres auf mich zu."
Milena über die Gefühle bei ihren Jobwechseln

Warum ein Job gekündigt wird, ist sehr individuell. Milena ist sich aber sicher, dass sie für ihre Karriere richtig gehandelt hat. Falls im Vorstellungsgespräch trotzdem mal nach dem Werdegang und unterschiedlichen Arbeitgebern gefragt werden sollte, rät Ayse Semiz-Ewald dazu, sich vorher zu überlegen, was wir genau erzählen möchten.

"Meine Empfehlung ist stattdessen, sich darauf zu konzentrieren, wie ich das erzähle. Was habe ich dadurch gelernt? Was habe ich dadurch mitgenommen? Und das Positive herauszuarbeiten."
Ayse Semiz-Ewald, Personalexpertin

Dabei geht es nicht darum, unehrlich bei einem Vorstellungsgespräch zu sein. Allerdings ist es wichtig, dass wir die Gründe für die Wechsel geschickt erklären können und dabei herausstellen, was wir am vorherigen Arbeitsplatz Positives mitgenommen habe.

Wann ein Jobwechsel sinnvoll ist

Einen Arbeitgeber hat Milena immer dann gewechselt, wenn sie das Gefühl hatte, ihren aktuellen Job gegen einen passenderen eintauschen zu können. Bisher bereut sie keine ihrer Entscheidungen. So hatte sie bei ihrem ersten Job das Gefühl, dort alles gelernt zu haben, was sie lernen konnte, und dass es außerdem keine weitere Möglichkeit mehr gab aufzusteigen.

Bei ihrer zweiten Stelle bekam Milena dann auf einmal ein Angebot, noch zusätzlich eine berufliche Möglichkeit wahrzunehmen. Nach einem Gespräch mit ihrem Arbeitgeber war aber eine Reduktion der Stunden nicht möglich und Milena entschied sich auch den zweiten Job zu wechseln.

"Für mich war das in jedem Moment ein ziemlich befreiendes Gefühl. Man kann das vergleichen mit Schlussmachen."
Milena über das Gefühl nach der Kündigung

Milena hat es immer positiv gesehen, dass sie überhaupt die Chance hat, den Arbeitgeber zu wechseln. Der Arbeitsmarkt hat sich dahingehend gewandelt, dass heute die Ansprüche der Arbeitnehmer*innen überhaupt in Betracht gezogen werden.

Ayse Semiz-Ewald erklärt, dass es wichtig ist, dass wir bei einem Jobwechsel auf unseren Bauch hören. Dennoch sei es wichtig, sich zu überlegen, ob es sich beim Kündigungsgrund um ein kurzfristiges oder langfristiges Gefühl handelt. Bei langfristiger Unzufriedenheit rät die Expertin einen Jobwechsel in Betracht zu ziehen.

Job kündigen

Wenn wir also verstanden haben, dass wir langfristig unzufrieden in einem Job sind, sollten wir eine Liste machen, was uns wichtig ist im Job, sagt Ayse Semiz-Ewald. Mit dieser Liste können wir sowohl für den aktuellen Arbeitsplatz validieren, warum es uns nicht so gut geht. Aber auch für einen neuen Job genau benennen, was uns wichtig ist. Für Milena sind diese Faktoren zum Beispiel: Flexibilität, Wachstum und Aufstiegschancen.

"Der Vorteil davon ist, dass wir als Generation viel mehr hinterfragen, was will ich als Individuum und nicht, was bekomme ich hier geboten und da sind wir anders und denken, vielleicht sollte ich da was verändern."
Milena über die Vorteile junger Menschen auf dem Arbeitsmarkt

Milena findet aber auch, dass, wenn wir wissen, was uns fehlt, es auch möglich sein kann, mit dem aktuellen Arbeitgeber über Veränderungen zu sprechen. Eine Kündigung oder ein Wechsel sind je nach Sicherheitsempfinden auch nicht für jeden positiv.

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