Einhörner sind überall! In Filmen, auf Tassen, auf Jutebeuteln. Hipster lieben Einhörner. Dabei sind sie so viel mehr als Pferde mit Horn, die von der Kitschindustrie vereinnahmt wurden.

Einhörner im Netz haben einen schweren Stand. Da gibt es auf der einen Seite die Pferde mit Horn auf der Stirn, die im Mondlicht über die Waldlichtung stolzieren. Und dann gibt es da noch die zahnschmerzbunten Einhörner, die rosa Duftwölkchen pupsen und Regenbogenfarben kotzen. Einhörner stehen mitten in der Popkultur. Fabelwesen wie Yeti, Drachen oder Trolle können da einpacken.

"Jemand sagte mir neulich, ich hätte Wahnvorstellungen. Ich wäre fast von meinem Einhorn gefallen."
Tina Kießling, DRadio-Wissen-Einhornritterin

Das Einhorn hat diesen Kitsch und Quatsch eigentlich nicht verdient. "Das Einhorn ist einfach ein unglaublich symbolisch aufgeladenes Tier", erklärt DRadio-Wissen-Reporterin Tina Kießling. Schon im indischen Nationalepos, dem Mahabharata, werden Einhörner erwähnt. Das ist das Epos, das quasi einer der Ursprünge des Hinduismus bildet. Und in Deutschland hat man noch bis ins 18. Jahrhundert geglaubt, dass es Einhörner gibt.

Die Kraft des Einhorns

Dann gibt es noch all die Zauberkräfte, die Einhörnern nachgesagt werden. Das Einhorn, so der Glauben, kann giftiges Wasser säubern und das Pulver aus dem Horn hat angeblich aphrodisierende Kräfte. Bis heute heißen immer noch viele Apotheken so - und immer noch verdienen dubiose Geschäftsleute mit Einhorn-Essenz einen großen Haufen Kohle. Das Einhorn ist Kitsch und gesellschaftsfähig.

"Das Einhorn ist gewissermaßen der Kitsch, den man sich leisten kann. Man signalisiert dann: Selbst wenn ich mich auf Kitsch einlasse, tue ich das auf einem gewissen Niveau. Das gilt für andere Kitschgeschichten so nicht."

Der Literaturwissenschaftler Jochen Hörisch kennt sich aus mit Fabelwesen. Er sagt, es gibt drei Gründe, warum das Einhorn so spannend ist, auch ohne kitschig zu sein oder ein komplettes Hipster-Tier zu werden. Das Einhorn ist:

  1. Religiös: Das Einhorn symbolisiert den christlichen Monotheismus, also den einen Gott und Jesus, den einen Sohn
  2. Phallisch: Das eine Horn auf der Stirn, Manneskraft, Penis, schon klar
  3. Mystisch: Das Einhorn, das es nicht gibt, steht für den Unterschied zwischen echter und virtueller Welt

Gerade in den Parallelwelten des Netzes funktioniert der letzte Aspekt ziemlich gut. Und vielleicht kommen wir genau deswegen nicht mehr an regenbogenfarbenen Einhörnern vorbei. Und Hörisch stellt fest: "Wenn die ganze Welt so organisiert wäre wie das Einhorn, dann wären wir im Zustand der Erlösung."