Michelle Janßen ist eine von jenen Menschen, die Tag für Tag ihre Gesundheit riskieren, um uns in Zeiten von Corona zu versorgen. Als Supermarkt-Mitarbeiterin erlebt sie Rücksichtslosigkeit – aber auch Dank. Sie bittet uns: Übt beim Einkaufen Rücksicht, haltet Abstand!

Pöbeln, Schubsen, anderen Lebensmittel und Hygieneartikel weghamstern – die Ausbreitung des Corona-Virus bringt bei manchen Menschen ihre schlechten Seiten zum Vorschein. Michelle Janßen kriegt das als Supermarkt-Mitarbeiterin unmittelbar mit.

Da war zum Beispiel diese Frau, erzählt sie, die sie mit dem Einkaufswagen angefahren hat und ihren Kollegen anschließend rassistisch beschimpfte. Sie dachte, Michelle wolle ihr die letzten Nudeln wegnehmen – dabei war sie gerade dabei, die Regale aufzufüllen.

"Ganz häufig nehme ich es einfach hin, weil es zu viel ist. Es passiert zu häufig."
Michelle Janßen, Supermarkt-Mitarbeiterin

So etwas kommt häufig vor, berichtet die Mitte 20-Jährige. Zum Glück seien es aber nur Einzelne, die sich nicht zu benehmen wissen. Bei vielen bringe die Krise auch gute Seiten zum Vorschein: In den letzten Tagen ist es viel mehr geworden, dass Menschen auch Danke sagen, sie anlächeln, nett sind, erzählt Michelle. Außerdem sei gut zu wissen, dass ihr Chef und ihr Schichtleiter hinter den Mitarbeitern stehen.

"Generell ist das Wichtigste eigentlich nicht, was wir machen, sondern dass die Leute um uns herum den Abstand zu uns halten.“
Michelle Janßen, Supermarkt-Mitarbeiterin

Die Mitarbeiter, erzählt Michelle, achten sorgfältig darauf, ihre Hände zu waschen und zu desinfizieren und Abstand zu den Kunden zu halten, die Kassierer und Kassiererinnen tragen Handschuhe.

Das alles hilft aber nichts, wenn die Einkaufenden nicht auch Abstand halten, appelliert sie. Denn die Mitarbeiter müssten ja alle Waren anfassen und haben täglich mit Massen an Menschen zu tun, die sie anstecken könnten.

"Wir fassen alles in diesen Läden an. Und wenn wir angesteckt werden, dann kann es sein, dass es Hunderte, Tausende Leute trifft."
Michelle Janßen, Supermarkt-Mitarbeiterin

Auch das Hamstern ist nicht nötig, betont Michelle Janßen. Es gibt weiterhin genügend Lebensmittel, Klopapier, Nudeln und Co. Die Läden benötigen schlicht Zeit, die Regale und Schränke wieder zu befüllen.

"Es kommt immer neue Ware. Es gibt keinen Grund zu hamstern."
Michelle Janßen, Supermarkt-Mitarbeiterin

"Danke", sagt auch Deutschlandfunk-Nova-Moderatorin Sonjas Meschkat am Ende des Interviews. Danke an Michelle Janßen und all die anderen Einzelhandels-Mitarbeiter und -Mitarbeiterinnen, die jeden Tag ihre Gesundheit riskieren und die Nerven behalten, um uns weiter mit allem zu versorgen.