73 Jahre lang lag das Wrack der Titanic unentdeckt im Atlantik. Bakterien setzen dem gesunkenen Schiff jetzt so zu, dass es zerfallen und fast komplett zerstört werden könnte.

Am 15. April 1912 sank die Titanic und riss rund 1.500 Menschen in den Tod. Nur 710 Menschen konnten gerettet werden. Das Wrack blieb verschollen - über 70 Jahre lang lag es in den Tiefen des Meeres. 1985 wurde es von dem Meeresbiologen Robert Ballard in 3.800 Meter Tiefe entdeckt. 

In der eiskalten, stockdunklen und vor allem sauerstoffarmen Tiefsee ist das Wrack eigentlich gut gegen Korrosion geschützt. Trotzdem haben sich an den Eisenteilen im Lauf der Jahrzehnte lange, braune Zapfen gebildet: sogenannte Rusticle, die aussehen wie Eiszapfen aus Rost. 

In diesen Zapfen lebt eine Bakterienart, die wegen ihres Fundorts von Biologen Halomonas titanicae getauft wurde. Das Bakterium gedeiht besser in etwas wärmeren Gewässern - zum Beispiel der Karibik.

"Das Bakterium arbeitet also schon langsamer als zum Beispiel in der Nordsee, aber die Kälte kann das Bakterienwachstum nicht völlig verhindern. Der Eisenfraß schreitet also voran."
Antje Boetius, Tiefseeforscherin am Alfred-Wegener-Institut

Die Titanic hat eine aufregende Geschichte hinter sich: Versunken, verschollen, gesucht, wieder aufgetaucht - und jetzt kann niemand verhindern, dass sie wieder verschwindet - diesmal allerdings für immer. 

Einige Wissenschaftler schätzen, dass sich das Wrack in den nächsten 15 bis 20 Jahren in einen Haufen Staub und Trümmer verwandeln wird - zersetzt von kleinen Bakterien.