Noch nie war ein deutsches Frauen-Eishockey-Team so erfolgreich: Gegen den Gastgeber USA stehen die Deutschen im WM-Halbfinale in Plymouth. Wir finden: Dafür hätten sie viel mehr Aufmerksamkeit verdient.

Der Mega-Erfolg des deutschen Teams hat nicht nur die Öffentlichkeit verblüfft. Vor allem ist das Team von sich selbst überrascht, sagt Eishockey-Experte Heiko Oldörp. Die Eishockey-Frauen sind mit dem Ziel Klassenerhalt zur WM in die USA gereist - aber dann gab es gleich zum Auftakt einen 3:1-Sieg gegen Schweden, dann ein 2:1 gegen Tschechien. Und schon standen die Frauen im Viertelfinale. Da haben sie dann noch Russland besiegt und jetzt: Halbfinale.

"Egal was noch kommt. Dieses Halbfinale ist bereits der größte Erfolg in der Geschichte des deutschen Frauen-Eishockeys."
Heiko Oldörp, Sportjournalist

Die deutsche Mannschaft besteht zum großen Teil aus Freizeit-Spielerinnen. Sie trainieren zwei, drei mal die Woche, spielen bei Vereinen in Bayern oder Sachsen zum Beispiel. Sieben Frauen spielen im Ausland - zwei in Schweden, fünf in Amerika an Colleges.

Zu harter Körpereinsatz ist bei den Frauen regelwidrig

Eishockey ist in Deutschland in den Medien nur als ziemlich rauer Männer-Sport präsent. Für die Frauen sind einige Regeln anders. Am auffälligsten ist, dass die Frauen einen Vollgesichtsschutz tragen müssen, nicht nur ein halbes Visier oder einen Helm wie die Männer. Bodychecks sind verboten und die Gegnerin darf nicht gegen die Bande gedrückt werden.

Halbfinale gegen die Favoritinnen

Im Halbfinale spielt das deutsche Team gegen Gastgeber und Titelverteidiger USA. Genau die hätten beinahe bei dem Turnier gar nicht mitgemacht. Zwei Wochen vor Turnierbeginn haben die amerikanischen Spielerinnen ihrem Verband gesagt: Wenn ihr uns nicht besser bezahlt und uns eine bessere Ausrüstung stellt, dann spielen wir nicht. Sie wollten vom Verband einfach genauso behandelt werden wie die Männer. Ihr Aufwand ist schließlich genauso groß.

"Ich fürchte, die deutschen Frauen haben gegen die Amerikanerinnen keine Chance, das sind Profi-Sportlerinnen. Aber was die deutschen Frauen bis jetzt geschafft haben, ist sensationell."
Heiko Oldörp, Sportjournalist

Der Streik des US-Frauen-Eishockey-Teams hat so hohe Wellen geschlagen, dass sich auch das Männer-Team mit ihnen solidarisiert hat. Zwei Tage vor Turnierbeginn hat der Verband dann nachgegeben und die Forderungen der Spielerinnen erfüllt.