Beim Social Freezing werden der Frau Eizellen entnommen und auf fast minus 200 Grad Celsius gekühlt

Beim Social Freezing geht es um das Einfrieren weiblicher Eizellen aus sozialen, also nicht medizinischen Gründen. Das Verfahren gibt es schon länger und wurde zuvor bei Krebspatientinnen angewendet, die vor einer Chemotheraphie standen, bei der die Eierstöcke und Eizellen geschädigt werden könnten. Die Frau legt sich beim Social Freezing eine Reserve mit fruchtbaren Eizellen an und hat damit eine größere Chance auf eine Schwangerschaft jenseits der 35.

Eizellen werden unter Narkose entnommen

Mit Hormongaben werden die Eierstöcke hormonell stimuliert, so dass mehr Eizellen reifen als üblich. Je nach Dosis werden fünf bis 15 Eizellen entnommen. Um die empfohlene Menge von Eizellen zu bekommen, müssen manche Frauen mit mehreren Behandlungszyklen rechnen. Die Eizellen werden dann während einer Narkose entnommen und bei minus 196 Grad tiefgefroren.

Ultraschnelles Einfrieren

Das ultraschnelle Einfrieren ist neu und ermöglicht eine höhere Überlebensrate der Eizellen. Beim vorherigen Verfahren war die Gefahr groß, dass sie beim Auftauen durch scharfe Eiskristalle zerstört werden. Bei Bedarf werden die Eizellen dann aufgetaut, künstlich befruchtet und wieder in die Gebärmutter eingepflanzt.

"Je jünger, desto besser, aber die Frauen, die wir im letzten Jahr beraten haben, waren 36, 37 Jahre."
Frank Nawroth, Professor für Reproduktionsmedizin

Laut Reproduktionsmedizinern ist der beste Zeitpunkt für eine Entnahme zwischen 20 und 30 Jahren. Denn bereits mit Mitte 30 sinkt für Frauen die Möglichkeit, schwanger zu werden. Das tatsächliche Durchschnittsalter bei einer Entnahme fürs Social Freezing liegt jedoch momentan bei 37 Jahren.

Geburtenrate pro Eizelle: Acht Prozent

Etwa 80 bis 90 Prozent der eingefrorenen Eizellen überleben. Bei 60 bis 70 Prozent gelingt eine künstliche Befruchtung. Die Implantationsrate pro aufgetauter Eizelle, das heißt das Einnisten der befruchteten Eizelle in der Gebärmutter, liegt etwa bei zehn Prozent, die Geburtenrate pro aufgetauter Eizelle aber nur bei etwa acht Prozent.

"Die Natur bietet immer noch die besten Chancen, sich zu vermehren. Ich hoffe nicht, dass das irgendwann das Geschenk zum Abitur wird."
Frank Nawroth, Professor für Reproduktionsmedizin

Risiko geschädigter Chromosomen

Social Freezing garantiert keine Schwangerschaft. Hinzu kommt, dass im zunehmenden Alter das Risiko größer ist, dass die Eizellen bei der Entnahme geschädigte Chromosomen haben. Bei der Hormontherapie können außerdem Kopfschmerzen, Übelkeit und Herzrasen auftreten. Es besteht zusätzlich durch die Hormondosen die Gefahr einer Überstimulation. Da eine Schwangerschaft ab 40 mit deutlich höheren Risiken (Diabetes, Frühgeburt) behaftet ist als eine unter 30, sollte die Entscheidung für Social Freezing gut überlegt sein.

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