Ein Jäger aus Steinfurt wollte in Weißrussland einen Elch schießen, doch das klappte nicht, wie er sagt. Nach der Jagdreise fordert der Mann nun Schadenersatz vom Veranstalter. Dabei könne es bei einer Jagdreise eigentlich keine "Treffer-Garantie" geben, meint Lucas von Bothmer, Chefredakteur des Magazins "Jäger".

Der Jäger verlangt 1.500 Euro vom Reiseveranstalter. Aller Voraussicht nach wird der Jäger aus NRW aber leer ausgehen. Seine Klage hat nach erster Einschätzung des Amtsgerichts Mönchengladbach keine Aussichten auf Erfolg. Denn wie vertraglich vereinbart, habe der Jäger die Chance bekommen, einen Elch zu erlegen, sagte der Richter beim Auftakt des Zivilprozesses am Freitag (13.09.19). Damit sei der Vertrag erfüllt und die Klage unbegründet.

Der Jäger behauptet, ihm sei zwar ein Elch begegnet und er habe auch geschossen, das Tier habe er aber nicht getroffen. Der Veranstalter sagt, das Gegenteil sei der Fall. Das tote Tier sei auch später entdeckt worden. Der Veranstalter erklärt, er habe dem Jäger eine Trophäe per Paket geschickt, die der Jäger aber nicht angenommen habe. Denn, so der Jäger: Der Elch, auf den er geschossen habe, hätte ein Schaufelgeweih getragen, der Veranstalter habe ihm aber ein Stangengeweih zugeschickt. Der Anwalt des Veranstalters wies diese Vorwürfe zurück.

Das Geweih ist inklusive

Jagdreisen sind so aufgebaut, dass man, wie bei jeder anderen Reise auch, erst mal Anfahrt und Unterkunft zahlt, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Ilka Knigge. Hinzu kommen noch Kosten für die Jagd selbst. Beim Abschuss eines Tiers wird also eine Gebühr fällig. Das Geweih ist in diesem Fall die Trophäe und der Beweis für den Abschuss.

Es gibt Listen wie diese von Jagdreisen-Anbietern, in der Preise für Abschüsse mit der entsprechenden Kilozahl des Geweihs aufgeführt sind. Der Abschuss eines Tiers mit einem Geweih unter fünf Kilogramm kostet 1.250 Euro. Bei einem Gewicht von mehr als 14 Kilogramm kostet es 9.500 Euro. Der Jäger aus NRW hat für die Reise 3.800 Euro gezahlt. In diesem Betrag war schon eine "Abschussvorrauszahlung" für einen Elch mit einem Trophäengewicht von 6 Kilogramm enthalten. Das Geweih, das der Jäger nun bekommen hat, sei aber leichter, weswegen dieser auch eine Rückerstattung der Reisekosten verlangt.

Keine Abschuss-Garantie

Eine Art Treff-Garantie kann kein Veranstalter geben. Lucas von Bothmer, Chefredakteur des Magazins Jäger sagt, man erwerbe eine Hoffnung, dass man etwas erlegt. Häufig würden die Teilnehmer eine Anzahlung leisten. Wenn der Jagderfolg dann nicht eintritt, dann würde der übrige Teil der Summe nie fällig. "Jedem echten Jäger ist auch klar, dass das Teil des Geschäfts ist", so Bothmer.

"Man kauft sozusagen eine Hoffnung und häufig leistet man eine gewisse Anzahlung. Und wenn der Jagderfolg dann nicht gewährleistet ist, dann wird der übrige Teil der Summe nie fällig."

Befürworter der Trophäenjagd sind die Veranstalter der Reisen, aber auch der Deutsche Jagdverband. Der betont, die Einfuhr von Trophäen nach Deutschland sei streng reglementiert und zitiert den ehemaligen Leiter der Abteilung Artenschutz des Bundesamts für Naturschutz, Dietrich Jelden. Der sagt, eine Einfuhrgenehmigung sei ein Garant dafür, dass die Bejagung einer bestimmten Wildart legal und nachhaltig sei. Die Jagd brächte auch Geld in die Länder und komme den Nationalparks zu Gute, heißt es außerdem.

Die Trophäenjagd ist ziemlich umstritten

Arnulf Köhncke, Artenschutzexperte beim WWF sagt, das System funktioniere, weil die Menschen an bestimmten Orten eben vom Schutz der Tiere leben. Ein Beispiel, das oft genannt wird, ist Namibia. Dort gibt es sogenannte Gemeinde-Schutzgebiete, in denen die Trophäenjagd erlaubt ist. Die Einwohner nehmen dort Geld durch die Jagd ein und haben so ein Interesse, die Tiere zu schützen. Köhncke ist aber der Ansicht, dieses Beispiel sei nicht uneingeschränkt auf andere Gebiete übertragbar. Quoten würden etwa schlecht gesetzt oder das Geld lande nicht immer bei den Einwohnern.

"Das Problem ist eben immer wieder, wenn Quoten schlecht gesetzt werden und natürlich auch, wenn vor Ort die eingenommenen Mittel nicht an die lokale Bevölkerung zurückfließen."