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Die wohl berühmtesten Elefanten der Welt, die seit Monaten durch Südchina wandern, sind auf dem Heimweg. Aber warum sind sie überhaupt losgewandert? Eine Suche nach Gründen.

Sie haben Brücken überquert, Felder leergefressen, ein Kalb verloren – seit Monaten ist eine nun 14-köpfige Elefantenherde in China unterwegs. Das Bild, auf dem die Elefanten eng aneinander gedrückt schlafen, ging um die Welt. Mittlerweile wird jeder Schritt ihrer Reise durch etliche Drohnen und Fahrzeuge mit Kameras dokumentiert.

Besonders ist auch, dass die Elefantenherde keine Hürden scheut: Die chinesischen Behörden versuchen, die Tiere mit den unterschiedlichsten Mitteln zu lenken, um sie zum Beispiel von Großstädten fernzuhalten – unter anderem mit ausgelegtem Futter und abgeriegelten Straßen.

Verschiedene Theorien für Wanderschaft der Elefantenherde

Aber wozu das Ganze? Warum begibt sich eine Elefantenherde auf so eine Reise? Es gibt verschiedene Theorien: Die Elefanten kamen aus einem Naturreservat in Xishuangbanna, im Südwesten von China. Also einem Ort, an dem sie geschützt werden sollen. Eine Vermutung ist daher, dass die Elefanten sich im Naturreservat gut vermehren konnten und es ihnen schlichtweg zu eng wurde. Der Biologe und Elefantentrainer Tobias Dornbusch, sagt außerdem: "Es kann auch sein, dass es eine unerfahrene Leitkuh ist, ein neues junges Tier – und das trifft dann Fehlentscheidungen."

"Eine andere These ist, dass die Menschen ihnen immer näher auf die Pelle rücken, und sie deshalb nicht mehr genügend Rückzugsraum haben."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk Nova-Reporterin

Giu Xianming vom Forschungsinstitut des Staatlichen Naturreservats in Xishuangbanna sagt, dass die Elefanten im Reservat zu wenig Fressen gefunden haben, da das Gebiet durch den Schutzstatus immer dichter zuwachse.

"Ja, auch, asiatische Elefanten fressen gern Gras, und das finden sie möglicherweise in dem dichten, waldigen Gebiet nicht in ausreichendem Maße."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk Nova-Reporterin

Tatsächlich hatte die Elefantenherde bereits länger in den umliegenden Ortschaften des Naturreservats oder auf Feldern nach Fressen gesucht und sich dort sattgefressen, bevor sie sich zur Wanderung aufmachte. Die chinesischen Forscher haben nun die Idee geäußert, einen speziellen Nationalpark für die Elefanten zu schaffen, der so groß sei, dass er auch offene Flächen miteinschließe. So hätten die Elefanten mehr Platz und eine abwechslungsreiche Vegetation, damit sie nicht wieder auf Wanderschaft gehen müssen.

Elefanten sind keine typischen Wandertiere

Vögel fliegen jedes Jahr weite Strecken, Wale und Schildkröten reisen regelmäßig durch die Weltmeere und Gnus, Zebras und Antilopen wandern jährlich rund 800 Kilometer von Tansania nach Kenia – und wieder zurück. Elefanten gehören allerdings nicht zu den regelmäßig und immer gleich wandernden Tierarten, für die es besondere Schutzbestimmungen gibt.

"Elefanten gehören zu den Arten, die in Bezug aufs Wandern flexibler sind. Die machen sich gelegentlich auf den Weg – vor allem, wenn zu wenig Futter vor Ort ist."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk Nova-Reporterin

Ob das Reservat nun zu klein wurde, zu viele Menschen sich dort aufhielten oder es zu wenig Fressen bietet – oder alles zusammen: Die Heimkehr der Elefanten wird wohl einiges im Reservat verändern. Und wenn nicht – werden wir von der nächsten Wanderung hören.