Elfenbeinküste

Häuser und Schulen aus recycelten Plastikmüll-Ziegeln

Kinder, die nicht zur Schule gehen können und Menschen in Armut: Ein Start-up sammelt Plastikmüll, um daraus Ziegelsteine für Häuser und Schulen zu machen. Damit haben sie gleich mehrere Probleme gelöst und es scheint nichts dagegen zu sprechen, das auch hier bei uns zu machen, sagt unser Korrespondent Jens Borchers

An der Elfenbeinküste können Kinder endlich zur Schule gehen. Die Gebäude, in denen der Unterricht stattfindet, stehen: keine Selbstverständlichkeit im westafrikanischen Land. Genauso wenig wie in Kolumbien, wo die Idee herkommt, aus Plastikmüll Ziegelsteine für Schulen und Häuser zu machen.

Recycling von Plastikmüll

Das Start-up Conceptos Plasticos verwertet seit 2011 Plastikmüll, um daraus Ziegelsteine zum Bau von Häusern und Schulen zu fertigen. Damit ist zum einen das Plastikproblem (zumindest teilweise) gelöst, denn allein in der Region an der Elfenbeinküste fallen täglich knapp 300 Tonnen Plastikmüll an, von denen nur 5 Prozent recycelt werden, berichtet unser Korrespondent Jens Borchers.

"Der Plastikmüll wird von Menschen eingesammelt, die sonst keinen Job haben und zu den Verwertern gebracht."
Jens Borchers, ARD-Korrespondent für West- und Südafrika

Menschen in Armut bekommen Arbeit

Ein zweiter positiver Aspekt dieses Projekts ist, dass Menschen einen Job bekommen. Oft sind es Frauen, die den Müll einsammeln. Sie leben in Armut und bekommen dadurch eine Einkommensquelle.

Bildungschancen durch Schulen für Kinder

Und: Der vielleicht gewichtigste Positiv-Aspekt: Für die Schulkinder in armen Regionen werden Schulen errichtet. Fehlende Gebäude sind an der Elfenbeinküste, wie auch in Kolumbien ein großes Problem und mitverantwortlich für Bildungsrückstand.

Unicef unterstützt das Projekt maßgeblich und feiert es als Erfolg auf ganzer Linie. Genauso wie Isabel Cristina Gamez, Mitbegründerin und CEO von Conceptos Plasticos

"Indem wir Plastikverschmutzung zu einer Chance machen, wollen wir dazu beitragen, Frauen aus der Armut zu befreien und eine bessere Welt für Kinder zu hinterlassen."

Plastikziegel bieten viele Vorteile

Die Plastikziegel, aus denen Häuser und Schulen gebaut werden, funktionieren vom Prinzip her wie Lego, sagt Jens Borchers. Zwar seien sie nicht so bunt, sondern grau - sie lassen sich aber ganz einfach zusammenstecken und halten ohne Klebstoffe oder Zement.

Faszinierend sei die Langlebigkeit dieser Plastik-Baumaterialien: Laut der Entwickler halten sie mehr als hundert Jahre - ein großer Gewinn im Vergleich zu den normalen Schulgebäuden, die nur etwas zehn Jahre hielten, zitiert Jens Borchers die Macher des Start-ups Conceptos Plasticos.

Langlebig, feuerfest und hitzeabweisend

Neben der langen Haltbarkeit gibt es noch weitere Vorteile der Plastikbausteine: Sie bestehen zu 100 Prozent aus recyceltem Kunststoff und sind feuerbeständig - dazu wird bei der Produktion ein Stoff hinzugefügt, der die Ziegel feuerfest macht. Außerdem sind sie 40 Prozent günstiger und außerdem wasserdicht, widerstandsfähig gegen Wind und halten die Hitze ab.

Plastik-Häuser auch in Mitteleuropa denkbar

Das ganze Konzept klingt fast zu gut: Reduktion von Plastikmüll, zusätzliche Einkommensmöglichkeiten für Familien in Armut und Bildungschancen für Kinder. Jens Borchers gibt allerdings zu bedenken, dass das Start-up noch nicht all zu lange existiert und Aspekte wie Langlebigkeit oder Schadstoffbelastung noch überprüft werden müssten. Obwohl bei der Produktion alle Schadstoffgrenzwerte eingehalten würden.

Trotzdem – aus Sicht unseres Korrespondenten gibt es kein Argument, das dagegen spräche, diese Bauweise auch hier bei uns anzuwenden.

"Sicherlich braucht es noch mehr Erfahrungen. Aber vom Prinzip her und von der Idee her würde ich sagen: Ja kann man machen."
Jens Borchers, ARD-Korrespondent für West- und Südafrika