Menschen spiegeln das Gegenüber und übernehmen deren Verhalten und Emotionen. Am liebsten machen sie das mit denjenigen, die sie sympathisch finden.

Wenn Menschen panisch wegrennen, ist es oft sinnvoll, sich anstecken zu lassen und selbst auch wegzurennen, um so zum Beispiel einem Feuer zu entkommen. Das ist auch die evolutionäre Erklärung dafür, warum sich alle kratzen, wenn einer anfängt.

"Wenn sich einer kratzt, ist das sehr wahrscheinlich, dass die anderen in der Gruppe auch Flöhe haben."
Franca Parianen, Neurowissenschaftlerin am Max-Planck-Institut

Verhalten des anderen adaptieren, also spiegeln, ist eine wichtige soziale Kompetenz. Sie macht uns sympathisch.

Wie viel und wen wir spiegeln hängt auch davon ab, wie sympathisch das Gegenüber uns ist. Das führt wiederum dazu, dass wir uns noch sympathischer sind - der andere denkt, wir seien wahnsinnig klug und offen. Menschen, die wir nicht so gerne mögen, spiegeln wir hingegen nicht so intensiv.

Soziale Medien sind für Spiegelneurone eine Herausforderung

In der Forschung wird im Zusammenhang mit Spiegeln auch von Gefühlsansteckung geredet. Schaut man auf die neuen Medien, müsste man zu dem Schluss kommen, dass Gefühlsansteckung ohne ein leibhaftiges Gegenüber, also ohne ein Gesicht, dem man die Gefühlsregungen ansehen kann, kaum möglich ist. Das stimmt aber so nicht. Es ist nur anstrengender. 

"In den sozialen Medien muss ich mich aktiv in den anderen hineinversetzen um zu erahnen, wie er sich fühlt. Dafür sind viele Denkschritte nötig. Unser Gehirn tendiert aber nicht zu so vielen Denkschritten."
Franca Parianen, Neurowissenschaftlerin am Max-Planck-Institut

Wodurch man das Gehirn aber entlasten kann: Smileys. Smileys werden vom Gehirn nämlich da verarbeitet, wo auch Gesichter verarbeitet werden. Sie geben der Kommunikation in den sozialen Medien also ein bisschen das an direktem Ausdruck der Emotion zurück, was verloren gegangen ist.