Schneeflockenkinder heißen sie in den USA. Kinder, die ganz zu Beginn ihrer Existenz als Embryonen bei minus 196 Grad Celsius eingefroren waren. Sie entstehen bei der künstlichen Befruchtung, eigentlich mit dem Ziel, sie der biologischen Mutter zu übertragen. Aber manchmal geht das nicht, und die Embryonen bleiben im Kühltank. Tausende sind das alleine in Deutschland.

Wenn ihre Eltern sicher sind, keine weiteren Kinder zu wollen, dann können sie die überzähligen Embryonen vernichten lassen, sie können Jahr für Jahr für die Kühlung zahlen oder sie können sie freigeben für die Übertragung auf eine andere Frau. Emybronenspende oder Embryonenadoption nennt sich dieses Verfahren. Schon die unterschiedlichen Begriffe zeigen, hier gibt es Diskussionspunkte. Auch der Deutsche Ethikrat hat dieses Jahr eine gesetzliche Regelung angemahnt.

In Deutschland wurden erst zehn Kinder so geboren

In Deutschland vermittelt solche Spenden nur das Netzwerk Embryonenspende, ein Zusammenschluss von Reproduktionskliniken aus Bayern und Baden-Württemberg. An Anfragen gibt es keinen Mangel: Für viele Paare ist die Embryonenspende eine gute Variante. Denn das Kind von Anfang Teil der Familie, auch wenn es biologisch nicht mit dem Paar verwandt ist.

Die Nachfrage ist groß, dennoch hat das Netzwerk die Warteliste geschlossen: Die Zahl der spendenbereiten Paare ist sehr gering, die Wartezeiten damit zu lang. Bislang wurden in Deutschland nur zehn Kinder auf diesem Weg geboren.

Embryonenspenden sind kaum bekannt

Wenn ein Paar seine eingefrorenen Embryonen nicht mehr benötigt, steht eine Kündigung des Kryovertrags im Raum. Informationen zur Embryonenspende bekommen betroffene Paare in dieser Situation allerdings nur in den Reproduktionskliniken des Netzwerks Embryonenspende.

Wer sich für eine Embryonenspende entscheidet, bekommt erstmal eine Beratung. In der Zwischenzeit schauen die Ärzte, wer die Empfänger sein werden. Relevant für diese Entscheidung sind die Wartezeit, aber auch das Aussehen. Das Kind soll später in seiner Familie nicht herausstechen. Erst dann wird der Embryo der fremden Frau übertragen. Geht alles gut, bekommt diese Frau neun Monate später ganz normal ein Kind.

Das Wissen, Kind einer Embryonenspende zu sein

Die Kinder haben, wenn sie volljährig sind, das Recht zu erfahren, wer ihre biologischen Eltern sind. Der Verein Spenderkinder - das sind Kinder aus Samenspenden - hat bereits Bedenken angemeldet, weil die Mitglieder oft Probleme mit ihrer Herkunft aus einer Samenspende haben.

Das könnte bei der Embryonenspende sogar noch schwieriger sein. Wenn das Kind auf eine ganze Parallelfamilie stößt, mit echten biologischen Geschwistern und einem Elternpaar. Andererseits wurden in den USA seit den 1980er Jahren schon mehr als 1000 Kinder nach einer Embryonenspende geboren. Diese Kinder interessieren sich natürlich für ihre biologischen Eltern. Aber sie fühlen sich klar der Geburtsfamilie zugehörig.