Die hawaiianische Baumschnecke George war vermutlich die berühmteste Schnecke der Welt. Denn George war ein Endling, der Letzte seiner Art. Am 1. Januar ist George im Alter von 14 Jahren ver- und damit die Tierart der hawaiianischen Baumschnecken ausgestorben.

Wenn eine Tierart ausstirbt, passiert das oft unbemerkt von Menschen – mitten in der Wildnis. Bei der hawaiianischen Baumschnecke George war das anders, seine letzten Tage, sein Tod mit 14 Jahren und das Aussterben seiner Art Achatinella apexfulva vollzogen sich unter den Augen der Öffentlichkeit. Am 3. Januar veröffentlichte die Hawaiianische Umweltschutzbehörde Department of Land and Natural Resources eine kleine "Traueranzeige" in Form einer Pressemitteilung zum Tod der Baumschnecke George.

"1997 hat man die letzten zehn Tiere zum Schutz ins Labor gebracht, um sie dort nachzuzüchten. Allerdings starben die meisten Nachkommen aus unbekannten Gründen. Lediglich eine Jungschnecke überlebte: George."
Mario Ludwig, Biologe

Es gibt verschiedene Gründe, die zum endgültigen Ausstreben der hawaiianischen Baumschnecken geführt haben: Zum einen hat man in den 1950er Jahren eine räuberische Landschnecke namens Rosige Wolfsschnecke aus Florida nach Hawaii eingeführt, mit der man die eingeschleppten, in der Landwirtschaft so schädlichen Achatschnecken bekämpfen wollte.

Rosige Wolfschnecke wird zum Fressfeind verschiedener Schneckenarten

Die Rosigen Wolfsschnecken fielen aber auch mit großem Appetit über sogenannten Non-Target-Organismen her, also Schneckenarten, die eigentlich gar nicht bekämpft werden sollten. Darunter auch die hawaiianische Baumschnecke. Dazu kamen noch weitere Fressfeinde, wie eingeschleppte Schweine und Ratten, aber auch Schneckensammler, die es auf das hübsche rund daumengroße Gehäuse der Schnecke abgesehen hatten. Ein weiterer Grund: Die Schnecken kamen auch mit dem Klimawandel nicht gut zurecht, sagt der Biologe Mario Ludwig.

Nachzüchtung der Hawaiianische Baumschnecke missglückte

1997 haben Wissenschaftler die letzten zehn Tiere zum Schutz ins Labor gebracht, um sie dort nachzuzüchten. Allerdings starben die meisten Nachkommen aus unbekannten Gründen. Lediglich eine Jungschnecke überlebte: George. Nachdem auch die restlichen erwachsenen hawaiianischen Baumschnecken gestorben waren, blieb nur George übrig. Er war danach zehn Jahre lang der Letzte seiner Art.

Suche nach einem Geschlechtspartner bleibt erfolglos

Forschende haben in der freien Natur nach einer Geschlechtspartnerin oder einem Partner für George gesucht. Das Geschlecht des anderen Tieres hätte keine Rolle gespielt, weil George, wie es bei vielen Schneckenarten der Fall ist, ein Hermaphrodit war. Hermaphrodite besitzen männliche und weibliche Geschlechtsorgane und können sowohl als Männchen oder als Weibchen existieren.

Lonesome George
© imago images | Danita Delimont
Am Ende hatte Lonesome George nur noch Augen fürs Futter.

Georges berühmter Namensvetter

Die Baumschnecke George wurde nach einem anderen noch berühmteren Endling benannt: Das war eine Unterart der Galapagosriesenschildkröte Geochelone nigra abingdoni, von der es am Ende auch nur noch ein einziges Exemplar gab, das auf der Insel Santa Cruz gelebt hat und auf den Namen Lonesome George getauft wurde. George wurde 1971 von einem Ziegenjäger auf der Galapagosinsel Pinta entdeckt. Forschende waren überrascht von dieser Entdeckung, weil die Unterart seit mehr als 60 Jahren als ausgestorben galt.

Lonesome George wollte lieber Futter als weibliche Gesellschaft

Nach Georges Entdeckung wurde die Insel mehrmals – das letzte Mal im Jahr 2004 – von Wissenschaftlern aus verschiedenen Ländern durchsucht. Sie hofften, irgendwo auf der unbewohnten Insel ein passendes Weibchen der gleichen Unterart zu finden. Nachdem jedoch alle Suchaktionen vergeblich geblieben waren und selbst ein Kopfgeld von 10.000 US-Dollar für ein Weibchen keinen Erfolg gebracht hatte, wurden George Weibchen anderer Riesenschildkröten-Unterarten als Sexualpartnerinnen angeboten.

"George würdigte die potenziellen Gespielinnen kaum eines Blickes und war nach Aussagen seiner Pfleger eher am Futter der Damen als an ihnen selbst interessiert."
Mario Ludwig, Biologie

George würdigte die potenziellen Geschlechtspartnerinnen kaum eines Blickes und war nach Aussagen seiner Pfleger eher am Futter der Damen als an ihnen selbst interessiert. George schien generell nicht an weiblicher Gesellschaft interessiert zu sein, was vielleicht darauf zurückzuführen ist, dass George alleine aufgewachsen ist, ohne jemals ein schildkrötentypisches Sozial-, Balz- oder Paarungsverhalten zu erlernen, sagt Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte Mario Ludwig. George war nicht nur eine Symbolfigur der Galapagosinseln, sondern auch eine echte Berühmtheit. Er wurde rund 100 Jahre alt und starb am 24. Juni 2012.

Nördliche Breitmaulnashörner Najin und Fatu
© imago images | Xinhua
Eingeforene Spermien eines Artgenossen könnten den letzten beiden Nördlichen Breitmaulnashorn-Weibchen noch Nachwuchs bescheren.

Nächster Endling voraussichtlich Nördliches Breitmaulnashorn

Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in Zentralafrika noch Tausende von Breitmaulnashörnern. Aufgrund von massiver Großwildjagd und später durch noch hemmungslosere Wilderei existierten 2003 nur noch 40 Nördliche Breitmaulnashörner. Inzwischen gibt es weltweit nur noch zwei Weibchen: Najin und Fatu, die beide, streng bewacht, in einem Reservat in Kenia leben. Ein männliches Breitmaulnashorn gibt es nicht mehr, seit das letzte männliche Nördliche Breitmaulnashorn, ein Bulle namens Sudan 2018 wegen Altersschwäche eingeschläfert werden musste.

"Ohne Männchen gestaltet sich die Fortpflanzung ja bekanntermaßen schwierig. Allerdings gibt es beim Nördlichen Breitmaulnashorn einen Hoffnungsschimmer."
Mario Ludwig, Biologie

Der Hoffnungsschimmer

Vor einigen einigen Jahren haben Forschende einem Nördlichen Breitmaulnashorn-Männchen Sperma entnommen und dieses Sperma eingefroren. Unter der Federführung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung sollen nun den beiden letzten Breitmaulnashorn-Weibchen, also Najin und Fatu Eizellen entnommen werden, um diese mit dem vorhandenen Sperma zu befruchten.

Der Embryo, der möglicherweise entsteht, könnte von einem weiblichen, nah verwandten Südlichen Breitmaulnashorn-Weibchen ausgetragen werden. Eine mögliche Leihmutter haben Wissenschaftler schon im Visier: Das 19-jährige Weibchen Tauwa, das bereits mit Najin und Fatu in Ol Pejeta lebt.