Rechenzentren erzeugen beim Berechnen von Daten eine Menge Wärme. Anstatt sie ungenutzt verpuffen zu lassen, will die EU diese Energie jetzt zum Heizen verwenden.

Das EU-Projekt "ReUseHeat" sucht nach Lösungen, um die Abwärme von Gebäuden besser zu nutzen. Laut einer Studie des Projekts könnten Rechenzentren, die in der Nähe von Fernwärmesystemen stehen, knapp 50 Terawattstunden pro Jahr an überschüssiger Wärme liefern. Dies wären nach einer Berechnung des EU-Statistikamts Eurostat zwischen zwei und drei Prozent der Energie, die die Haushalte in der EU im Jahr 2020 für das Heizen von Gebäuden verbrauchten. Der eingesetzte Strom zum Betrieb der Rechenzentren könnte effizienter eingesetzt werden, wenn die Abwärme weiter genutzt wird.

Konkrete Planungen der EU

Offenbar hat die EU-Kommission dazu konkrete und fortgeschrittene Pläne, berichtet das Wall Street Journal. Den Betreibern von Rechenzentren in Europa sollen demnach finanzielle Anreize geboten werden, damit diese Geld in Systeme stecken, die für das Weiteleiten und den Verkauf der überschüssigen Abwärme nötig sind. Die Idee wird an manchen Stellen auch schon umgesetzt.

"Amazon, Apple und Microsoft haben schon große Rechenzentren an Fernwärmesysteme angeschlossen."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Dass das Ganze funktioniert, zeigen auch der Großrechner SuperMUC-NG in München sowie der aktuell schnellste Supercomputer der Welt in den USA. Mit deren Abwärme werden bereits jetzt im Winter die angrenzenden Gebäude geheizt.

Im Sommer wird ein Teil der anfallenden Wärme mit Hilfe sogenannter Adsorptionskältemaschinen genutzt, um kaltes Wasser zu erzeugen. Die Rechenzentren können sich also mit Hilfe ihrer Hitze paradoxerweise selbst runterkühlen.

Technik noch sehr teuer

Das Problem ist die Finanzierung. Bisher war die Abwärmenutzung für viele Betreiber von Rechenzentren unwirtschaftlich. Durch die Energiekrise ändert sich das aber gerade. Trotzdem erscheint die Abwärmenutzung aktuell nur dort wirtschaftlich attraktiv, wo es schon Fern-Wärmenetze gibt sowie Gebäude, die die Wärme nutzen könnten. Die Europäische Union erwägt nun, den Betreibern steuerliche Anreize dafür anzubieten, damit diese ihre Rechenzentren entsprechend umrüsten.

  • Moderation:  Sebastian Sonntag
  • Gesprächspartnerin:  Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin