Isländische Energieversorger bohren so tief wie noch nie. Sie wollen den über 400 Grad heißen Dampf aus der Erde gewinnen.

Bis jetzt haben die Isländer 4.659 Meter tief gebohrt, so tief wie nie zuvor. Die Bohrungen sind nicht ungefährlich: 2009 bohrten die Forscher versehentlich direkt ins Magma - 900 Grad heißes, flüssiges Gestein. Die große Hitze hat den Bohrkopf zerstört. Nach wie vor ist das eine der großen Herausforderungen des Iceland Deep Drilling Projects: Wie kann die Bohrung kontrolliert werden?

"Das tiefste Bohrloch in einem Vulkangebiet"

Ziel der Bohrungen ist es nicht, das Magma zu gewinnen, sondern die heißen Dämpfe von über 400 Grad. Der gewonnene Dampf wird durch Rohre in Kraftwerksturbine geleitet.

"Das Bohrloch ist wie der Vorhof zu Hölle", beschreibt Karl Urban den Bohrplatz. Weil es das "tiefste Bohrloch in einem Vulkangebiet" ist, besteht auch die Gefahr, dass durch die Bohrung ein Vulkanausbruch provoziert wird.

"Es sieht ein bisschen aus wie der Vorhof zur Hölle – wie viele Orte auf Island. Es gibt riesenhohe, fauchende Gasfontänen, die einfach aus dem Boden kommen. Es gibt kochenden Schlamm. Es stinkt ziemlich bestialisch nach Schwefel."
Karl Urban, Journalist

Strom und Heizwärme aus dem Untergrund

Schon heute gewinnt Island 25 Prozent des Strombedarfs und fast die gesamte Heizwärme aus dem Untergrund.

Problem beim der Energiegewinnung im Rahmen des Iceland Deep Drilling Project ist, dass der Dampf mit dem 340-fachen des Atmosphärendrucks entweicht. Der Dampf enthält deutlich mehr Energie. Es handelt sich um einen überkritischer Dampf. Aus dem Bohrloch könnten bis zu 50 Megawatt gewonnen werden. Bislang sind 3 Megawatt üblich.

Das Projekt läuft noch bis 2020. Bis dahin wollen die Forscher klären, ob sie den überkritischen Dampf beherrschen können.