Erdgas ist glorifiziert worden, sagt Werner Eckert. Der Umweltredakteur erklärt, warum mehr Kohle in der Energieversorgung sich rechnet – sogar für das Klima.

Russland liefert weniger Gas nach Deutschland. Bei der Stromproduktion sollen nun Kohlekraftwerke stärker zum Einsatz kommen, das plant Wirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen). So möchte er sicherstellen, dass die Gasspeicher bis zum Winter gefüllt werden können.

"Der Schaden für die Atmosphäre, wenn wir für einige Monate mehr Kohle verbrennen und kein Gas, ist rechnerisch verschmerzbar."
Werner Eckert, SWR Umweltredaktion

Kurzfristig sei das eine Lösung, um einem Mangel am Gas im Winter vorzubeugen, sagt Werner Eckert aus der SWR Umweltredaktion und erklärt: "Gaskraftwerke müssen nicht unbedingt laufen, die kann man durch andere ersetzen." Rund ein Viertel des Erdgases lasse sich auf diesem Weg einsparen. Bis 2021 hat die Stromerzeugung in Deutschland ungefähr wie folgt ausgesehen:

Bruttostromerzeugung in Deutschland nach Energieträger in den Jahren 2000 bis 2021(in Terawattstunden)
Bruttostromerzeugung in Deutschland nach Energieträger in den Jahren 2000 bis 2021(in Terawattstunden)
"Tatsächlich geht es um die Lösung eines sehr akuten Problems, das wir im nächsten Winter haben werden, wenn uns Gas fehlt."
Werner Eckert, SWR Umweltredaktion

Werner Eckert erinnert daran, dass rund die Hälfte aller Häuser in Deutschland mit Gas geheizt wird (Stand Juni 2022) und sagt: "Das ist ein Problem, das wir nicht bis zum nächsten Winter abstellen können." Auch in der Industrieproduktion lasse sich Gas nicht ohne Weiteres ersetzen.

Wenig Zeit, viele Kohlekraftwerke

Die Zeit sei einfach zu knapp, um bis zum Winter Umbauprozesse zu starten und abzuschließen. An Kohlekraftwerken bestehe hingegen kein Mangel.

"Wir haben Kohlekraftwerke in rauen Mengen. Die sind zum Teil außer Betrieb gestellt worden, sind in einer Art Reserve."
Werner Eckert, SWR Umweltredaktion

Erdgas sei im Bereich der Stromerzeugung lange Zeit glorifiziert worden, findet Werner Eckert. Er weist auf neuere Untersuchungen hin, die zeigen, wie viel Methan – also Erdgas – bei der Erdgasförderung und dem Transport entweiche.

Methan und seine Klimaschädlichkeit

Was die Klimaschädlichkeit angeht, käme das Gas in die Größenordnung von Kohle. Er sagt: "Methan ist ein Klimakiller. Ein viel Schlimmerer als CO2, das bei der Verbrennung von Erdgas entsteht." Der Kohleausstieg werde dadurch nicht zwingend verzögert, sagt Werner Eckert.

"Wer sagt: 'Erneuerbare ausbauen' hat Recht, aber er löst das Problem im kommenden Winter nicht."
Werner Eckert, SWR Umweltredaktion

Werner Eckert stellt sich auch der Frage, ob auch Atomkraftwerke optional einfach etwas weiterlaufen könnten. Das ganze Gespräch hört ihr mit einem Klick auf Play.