Extreme Preise und ein bisschen unterversorgt: Der Strommarkt war im Juni für kurze Zeit ziemlich durcheinander.

An drei Tagen im Juni gab es im deutschen Stromnetz eine massive Unterdeckung. Die verfügbare Strommenge war also zu gering. Solche Schwankungen sind ungewöhnlich. Sie haben sich in extremen Preisschwankungen im Handel mit der Minutenreserve gezeigt, aber nicht in einem Stromausfall.

Eine Megawattstunde kostete am 29. Juni kurzzeitig an der Strombörse mehr als 37.000 Euro. An normalen Tagen wird die Megawattstunde für knapp 10 Euro gehandelt. Vergleichbare Schwankungen hat es allerdings auch zuvor schon gegeben. Zum Beispiel im Oktober 2017.

"Es fehlte so viel Strom, dass die Betreiber alles, was es in Europa an Regelenergie noch gab, zugekauft haben."
Francisca Zecher, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

An diesen Tagen im Juni 2019 fehlte also eine so beträchtliche Menge Strom, dass der Preis in die Höhe ging. Die Betreiber haben auf dem europäischen Strommarkt Regelenergie zugekauft – in sehr großem Umfang. Regelenergie, ist der Strom, der vorgehalten werden muss, damit das Stromnetz immer ausgeglichen ist. Wenn die Nachfrage zu groß ist, kann es zu Stromausfällen kommen. Von einem flächendeckenden Stromausfall, einem Blackout, waren wir dennoch weit entfernt, sagt Ulrike Hörchens, Sprecherin des Netzbetreibers Tennet.

Größere Reserven, höhere Preise

Ein großflächiger Blackout hätte erhebliche Konsequenzen. Das haben wir in Argentinien gesehen, als dort für rund 15 Stunden der Strom ausgefallen ist. Wegen der Engpässe am europäischen Strommarkt mussten alle Stromversorger am letzten Juniwochenende doppelt so viel Regelenergie vorhalten. Und das hat den Preis nach oben getrieben.

"Am Ende müssen wir als Verbrauchende natürlich solche Preisschwankungen bezahlen. So ein einzelner Tag schlägt aber noch nicht wirklich auf die Stromrechnung durch."
Francisca Zecher, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

Am Ende werden solche Preisschwankungen auch auf die Verbrauchenden umgelegt. Wenige einzelne Tage – wie jetzt im Juni – schlagen allerdings nicht gleich auf die Stromrechnung durch. Der genaue Grund für die Schwankungen ist noch nicht bekannt.

Laut Betreibern und der Bundesnetzagentur wird es einige Wochen dauern, bis die Ursache feststeht. Die Auswertung der Daten brauche Zeit. Der Strommarkt in Deutschland gilt gemeinhin als intransparent – insbesondere auf Seite der Übertragungsnetzbetreiber. Eine Ursache, für die ungewöhnlichen Schwankungen im Juni, könnten Fehlspekulationen von Händlern sein.