Nicht mehr wenige große, sondern viele kleine Kraftwerke sorgen für die Stromabdeckung in Europa. Das macht den Strommarkt unübersichtlicher. Durch ein Kontrollzentrum der Uni Magdeburg soll die Stromverteilung in Europa optimiert werden – und Strom mittelfristig sogar im Preis sinken.

Im Zuge der Energiewende wurden insbesondere in Deutschland bereits viele große Kraftwerke vom Netz genommen. Durch den Ausbau von Wind- und Solarenergie sind dafür vieler kleine Anlagen an deren Stelle getreten. Dadurch hat sich die Handhabung des Stromnetzes stark verändert, sagt Martin Wolter vom Institut für Elektrische Energiesysteme der Uni Magdeburg.

Dort wurde eines der modernsten Energie-Kontrollzentren nun auch für Besucher geöffnet. In dem Zentrum wird die Überwachung und Steuerung des gesamten europäischen Stromnetzes simuliert, das heißt von allen Kraftwerken und allen Verbrauchern. Da das Energienetz immer komplexer zu verwalten sei, müssten zukünftig immer mehr Prozesse bei der Stromverwaltung automatisiert werden, sagt Wolter.

"Die Kleinteiligkeit hat ungeheuer zugenommen, auch die Dynamik. Alles ist viel schneller geworden und unübersichtlicher. Das kriegt ein Mensch alleine händisch gar nicht mehr hin.“
Martin Wolter, Leiter des Instituts für Elektrische Energiesysteme der Uni Magdeburg

Bisher gibt es schon ähnliche Kontrollsysteme. Diese messen aber lediglich die jeweiligen Stromwerte und zeigen Ergebnisse an. Auf deren Basis müssen letztendlich Menschen die Probleme erkennen und entscheiden, was zu tun ist. Durch ein Zentrum wie in Magdeburg soll dem Personal die Entscheidungsfindung deutlich vereinfacht werden, weil das System den Lösungsvorschlag direkt beisteuert.

Was tun bei Stromengpass?

Am häufigsten trete dieser Fall bei einem drohenden Stromengpass auf, so Wolter. Der Strommarkt funktioniere so, dass die billigsten Kraftwerke zuerst eingesetzt werden, unabhängig von ihrem Standort. Dadurch werde immer mehr Energie über immer größere Distanzen übertragen. Dadurch könne es zu Engpässen kommen. Das Zentrum simuliert, wie in solchen Engpass-Situationen der cleverste Weg wäre, den Strom zu verteilen.

Ziel des Zentrums sei nicht nur, die technische Wirksamkeit der Kraftwerke zu optimieren, sondern auch, die Kosten möglichst niedrig zu halten. Strom soll dadurch mittelfristig günstiger werden.

"Wir haben vorne eine sehr große Videowand, wo das gesamte Netz zu sehen ist und die Probleme dann aufleuchten.“
Martin Wolter, Leiter des Instituts für Elektrische Energiesysteme der Uni Magdeburg

Das Zentrum sieht dabei genau so aus wie die Zentren der Übertragungsnetzbetreiber, die im echten Betrieb verwendet werden, sagt Wolter. Auch wenn derzeit in der Universität nur simuliert werde, sei der Einsatz der Leitwarte in Europa natürlich das Ziel. Schon jetzt arbeite man bei diversen Industrieprojekten mit Netzbetreibern zusammen. Diese suchten nach intelligenten Lösungen für konkrete Probleme, die dann gemeinsam am Institut entwickelt werden.