Feuchtes Klopapier ist weich und recht beliebt - Kläranlagen und Wasserbetriebe haben damit allerdings echte Probleme: Entsorgungskosten in Millionenhöhe.

Feuchtes Klopapier macht Probleme, jedenfalls dann, wenn wir es ins Klo werfen und einfach wegspülen. Gerade haben die Klärwerke in Nordrhein-Westfalen Alarm geschlagen, dass die Abwasserkanäle immer öfter verstopfen und die Kosten für die Reinigung steigen.

Bekannt ist das Problem schon länger, es nimmt aber offenbar in ganz Deutschland immer weiter zu. Europaweit ist die Produktion von Haushalts- und Sanitärpapieren in der Papierindustrie das einzige seit 1992 wachsende Segment.

Aus weichem Papier werden zähe Klumpen

Vor kurzem hat der WDR in einer Sendung getestet, wie schnell sich feuchtes Toilettenpapier auflöst – da blieben acht von zehn feuchten Toilettentüchern auch nach sieben Tagen in einem Wasserbecken völlig unverändert. Nur zwei haben sich also aufgelöst.

Normales Klopapier zerfällt ganz schnell und bildet Flocken im Wasser, was keine Probleme macht. Die Feuchttücher hingegen bilden dicke Klumpen oder auch harte, seilartige Gebilde. Teuer wird das für die Wasserentsorger, wenn dieses hartnäckige Material Pumpen verstopft, die das Abwasser zum Klärwerk pumpen. Dort sammeln sich die feuchten Toilettentücher, aber auch Kosmetiktücher und was man heute alles so an Einmal-Tüchern zur Körperpflege oder auch zum Putzen verwendet. 

"Die Pumpe wird am Ansaugstutzen durch diese zusammengeballten Tücher direkt verstopft. Das ist wie ein Propfen, der in der Pumpe steckt und so auch keine Wasserförderung möglich ist. Das sind teilweise zwei, drei, vier Kilo Material, die wir dann rausziehen und entsorgen müssen."
Bernhard Horst, Klärmeister

Welche Kosten entstehen

Emschergenossenschaft und Lippeverband klären gemeinsam das Abwasser von etwa 5 Millionen Menschen in NRW. Nur für die Entsorgung des Abfalls, den sie aus dem Abwasser holen, zahlen sie jährlich etwa eine Million Euro.

Und dazu kommen noch die Kosten für die Einsätze der Mitarbeiter, die die Pumpen immer öfter reinigen und wieder zum Laufen bringen müssen. Im schlimmsten Fall kann es zu einem Rückstau kommen und das Abwasser zurück in die Abwasserkanäle fließen.

Es gibt aber noch einen Grund, warum Feuchttücher in der Toilette ein Problem sind: 

"Es entstehen auch Ablagerungen im Kanal selber. Denn die Feuchttücher, lassen Sie die mal liegen, die trocknen an und verstopfen dann - weil immer wieder neue dazu kommen - unter Umständen irgendwann den Kanal."
Bernhard Horst, Klärmeister

Steigende Kosten für die Wasserkunden

An diese Ablagerungen in den Kanälen kommen die Betreiber schwerer ran als an eine Pumpanlage. Außerdem sind die Feuchttücher zusätzlich getränkt mit Ölen und anderen Pflegeprodukten. Das Abwasser muss noch intensiver gefiltert und gereinigt werden. Und all die Kosten, die kommen natürlich auch wieder zu uns zurück, und zwar als höhere Wasserkosten auf der Jahresabrechnung. Höhere Ausgaben kompensieren die Kommunen durch höhere Preise.

Heißt also: wirklich nichts außer normalem, dünnem Toilettenpapier darf ins Klo geschmissen werden. Besonders Kosmetiktücher, Tampons, Binden oder Kondome werden laut der Entwässerungsbetriebe immer noch zu häufig so entsorgt. Ins Klo gehören wirklich nur menschliche Ausscheidungen, Klopapier und Wasser.

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