Etwa 600.000 Menschen in Deutschland haben Epilepsie. Bis zu fünf Prozent haben im Lauf ihres Lebens einen epileptischen Anfall. Was ist zu beachten, wenn ein Mensch einen Krampfanfall hat und wie können Betroffene damit leben?

Jede*r kann im Laufe des Lebens einen epileptischen Anfall bekommen – Merkmale wie Geschlecht oder Alter spielen für das Risiko keine Rolle, erklärt Mona Dreesmann, Leiterin des Potsdamer Epilepsiezentrums für Kinder und Jugendliche. Etwa fünf bis zehn Prozent der Menschen passiert das mal im Leben.

"Du musst kein Epileptiker sein, um einen Anfall zu bekommen. Den kann man auch in jedem Alter bekommen. Relativ viele sind davon betroffen."
Mona Dreesmann, Leiterin des Potsdamer Epilepsiezentrums für Kinder und Jugendliche

Als manifest oder chronisch gilt eine Epilepsie nur dann, wenn jemand mehrere Anfälle hatte, die nicht durch etwas Bestimmtes – beispielsweise flackerndes Licht – ausgelöst werden.

Wie ein epileptischer Anfall aussehen kann

So ein epileptischer Anfall kann unterschiedliche Ausprägungen haben, erklärt die Medizinerin. Meistens verbinden wir damit, dass Menschen verkrampfen, steif sind und dann umfallen. Es gibt aber auch andere Anfallsformen: Zum Beispiel könnten Betroffene für einige Sekunden abwesend sein oder mit dem Arm zucken.

"Einen epileptischen Anfall kann man sich wie ein Gewitter im Gehirn vorstellen. Im Kopf kommunizieren Nervenzellen miteinander. So stellen sie elektrische Aktivität her. Wenn sich viele gleichzeitig entladen, kommt es zu einem Anfall."
Mona Dreesmann, Leiterin des Potsdamer Epilepsiezentrums für Kinder und Jugendliche

Und was können wir tun, wenn wir so etwas bei jemandem beobachten? Als Außenstehende helfen wir einer betroffenen Person zunächst dadurch, dass wir bei ihr bleiben und Ruhe bewahren. Wenn ihr daran denkt, könnt ihr auf die Uhr schauen, um später sagen zu können, wie lange der Anfall gedauert hat.

Ruhe bewahren, Verletzungsgefahr minimieren und Notarzt rufen

Außerdem ist es wichtig, mögliche Gefahren aus der Umgebung der betroffenen Person zu entfernen, damit sie sich nicht verletzt. Und wenn jemand während eines Anfalls stürzt, sollten wir – wenn es denn möglich ist – darauf achten, dass er sich nicht den Kopf stößt. Dann ist es wichtig, einen Notarzt zu rufen – vor allem wenn ihr nicht wisst, ob bei der Person bereits eine Epilepsie diagnostiziert wurde.

"Gerade wenn die Person mit epileptischem Anfall gefallen ist, sollten wir schauen, dass sie sich nicht stoßen kann – zum Beispiel an einem Stuhl oder dem Fußboden."
Mona Dreesmann, Leiterin des Potsdamer Epilepsiezentrums für Kinder und Jugendliche

Auf keinen Fall sollten wir der Person etwas in den Mund stecken, warnt Mona Dreesmann. Zwar beißen sich manche Betroffenen während eines Anfalls auf die Zunge, weshalb so etwas früher mitunter empfohlen wurde. Tatsächlich aber ist die Gefahr, dass ein Fremdkörper die Atmung behindert, gravierender.

Nach dem epileptischen Anfall

Ein epileptischer Anfall dauert meist nicht länger als ein bis zwei Minuten. Anschließend können wir den Betroffenen helfen, indem wir sie in die stabile Seitenlage drehen und einfach deutlich und ruhig signalisieren, dass wir bei ihnen sind.

"Wir sollten versuchen, mit der betroffenen Person nach einem Anfall zu reden, um ihr zu zeigen, dass wir da sind. Wichtig ist es, in so einer Situation Ruhe auszustrahlen."
Mona Dreesmann, Leiterin des Potsdamer Epilepsiezentrums für Kinder und Jugendliche

70 Prozent der Personen mit manifester Epilepsie können damit übrigens ohne größere Einschränkungen leben. Bei vielen können Medikamente Anfälle verhindern, erklärt Mona Dreesmann. Aber auch jene, bei denen medikamentöse Therapie nicht anschlägt, können ein gutes Leben führen.

Hilfe gibt es bei verschiedenen Anlaufstellen, so die Ärztin: "Es geht darum, dass sich Patient*innen von einem multiprofessionellen Team behandeln lassen." Zum Beispiel in einer Epilepsie-Ambulanz, einem Epilepsie-Zentrum oder bei Fachärzt*innen für Neurologie mit Erfahrung in der Behandlung von Epilepsie-Patient*innen.

  • Moderation: Till Haase
  • Gesprächspartnerin: Mona Dreesmann, Leiterin des Potsdamer Epilepsiezentrums für Kinder und Jugendliche