Aus Angst vor einer zukünftig hohen Erbschaftssteuer übertragen Familienunternehmen oft ihr Vermögen frühzeitig auf ihre Kinder.

Vor allem Familienunternehmer fürchten, dass es demnächst strengere Regeln für die Erbschaftssteuer geben wird. Bevor es so weit kommt und sie größere Teile ihres Vermögens versteuern müssen, schenken sie ihr Vermögen frühzeitig ihren Kindern.

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Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat das in einer Studie untersucht. Dabei kam heraus, dass zwischen 2011 und 2014 Unternehmensvermögen in Höhe von 144 Milliarden Euro an Minderjährige weitergegeben wurden. Darunter 90 Kinder unter 14 Jahren.

Plötzlich ein riesiges Vermögen auf dem Konto

Die Journalistin Julia Friedrichs hat zum Thema "Erbe" recherchiert. Und eine Sache hat sie immer wieder gehört, nämlich dass das Vermögen die Erben belastet hat. Sie erinnert sich zum Beispiel an eine Frau, die zu ihrem 18. Geburtstag die erste Tranche ihres Erbes geschenkt bekam. Sie war damals eher links eingestellt, fand Geld Scheiße und wusste überhaupt nicht, wie sie sich zu dem großen Berg an Geld verhalten soll. Sie erzählte der Journalistin, dass es für sie viel besser gewesen wäre, wenn sie das Geld zu einem späteren Zeitpunkt erhalten hätte.

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Nur die Dummen zahlen

In Deutschland gibt es viele Anwälte, die das Erbrecht und die Lücken kennen. Sie bezeichnen das Recht auch als Dummenrecht, denn nur wer keine Ahnung habe oder schlecht beraten sei, würde die Steuern zahlen. "Und dann machen das auch viele", sagt Julia Friedrichs, "weil sie denken, das ist der clevere Weg, die Steuer zu umgehen."

"Die Unternehmen scheitern nicht, weil sie Steuern zahlen müssen, sondern weil es innerfamiliär nicht funktioniert. Darüber wird wenig geredet, das wird totgeschwiegen."
Julia Friedrichs, Journalistin und Autorin des Buches "Wir erben: Was Geld mit Menschen macht."

Die Journalistin Julia Friedrichs hat auch mit einer Mediatorin gesprochen, die missglückte Übertragungen von Familienvermögen begleitet. Sie rät davon ab, ein Unternehmen nur aus steuerlichen Gründen zu übertragen. Nur wenn das Kind geeignet sei, das Unternehmen fortzuführen und es auch wirklich wolle, sei eine Unternehmensübertragung im jungen Alter sinnvoll. Julia Friedrichs hat außerdem erfahren, dass Unternehmen meistens nicht aus steuerlichen Gründen scheitern, sondern weil sie es innerfamiliär nicht packen. Diese Seite werde wenig beachtet.

"Ich habe mich jetzt lange damit beschäftigt und es hat sich mir nicht erschlossen, warum man darauf keine Steuern zahlen sollte, wo jeder, der arbeitet, am Ende des Monats was abgibt."
Julia Friedrichs, Journalistin und Autorin des Buches "Wir erben: Was Geld mit Menschen macht."

Julia Friedrichs hat für ihr Buch "Wir erben: Was Geld mit Menschen macht." lange recherchiert. Sie kennt die Fakten, dass Deutschland sich in den kommenden Jahren zu einer "Erbenrepublik" verändern wird und sie weiß auch, dass es gar nicht so einfach ist, Menschen zu finden, die bereitwillig über ihr Erbe sprechen. Über dem Thema liegt so etwas wie ein grauer Schleier. Schließlich hat es mit dem Tod von engen Verwandten zu tun und damit, dass man - ohne etwas dafür zu tun - viel Geld erhält.

Porträt von der Autorin Julia Friedrichs
© dpa
Julia Friedrichs hat das Buch geschrieben "Wir erben: Was Geld mit Menschen macht."