Ganze Dörfer sind zerstört - Retter suchen weiterhin nach Überlebenden. Bis zu 247 Menschen sind in Zentralitalien durch das Erdbeben gestorben. Manche behaupten nun, das Land könnte zerreißen. Eine gewagte These, sagt Erdbeben-Seismologe Frederik Tilmann.

Das Erdbeben erreichte eine Stärke von über sechs auf der Richterskala. Vor allem in Zentralitalien bebte die Erde. Die Region wird nicht zum ersten Mal von einem Erdbeben erschüttert, sie ist ein Erdbebengebiet. Italien befindet sich quasi auf einer eigenen Erdplatte, die von Süden und Osten von anderen Platten gedreht wird.

Aber noch etwas ist wichtig. "Es gibt die Adriatische Platte", sagt der Seismologe Frederik Tilmann. Diese schiebt sich zum Beispiel unter Kroatien. In Italien hat die Platte die Apenninen aufgetürmt, einen langen Gebirgszug, der einen großen Teil Italiens durchzieht. Die Apenninen sind mittlerweile im Zerfall begriffen, sagt Tilmann. Der Druck der Berge führt auf Dauer zu einer Ausdehnung, die wiederum zu einer Ost-West-Ausdehnung Italiens führt. Im Verlaufe dieses Prozesses kommt es zu Erdbeben.

"Dieses Erdbeben ist wahrscheinlich durch die Apenninen verursacht. Wenn die sich erst einmal der Umgebung angenähert haben, nicht mehr so ein herausgehobener Gebirgszug sind, dann wird diese Kraft aufhören."

Nach Messungen driften in Italien einzelne Landesteile in unterschiedliche Richtungen ab. Könnte Italien quasi zerfallen? Wenn der Prozess der Ausdehnung plus Erdbeben so anhält, könnte das theoretisch passieren. Doch das ist Spekulation und gewagt, sagt Tilmann. Das aktuelle Erdbeben ist vermutlich durch die Apenninen verursacht. Das bedeutet zugleich, dass sich der Gebirgszug der Topographie anpasst und damit die Kräfte der Apenninen nachlassen.

Newstalk zum Erdbeben in Italien mit Aglaia Dane
"Aber es gibt auch immer kleine Wunder. Am späten Abend ist noch ein kleines Mädchen lebend gefunden worden."