Ein brutaler Mord, ein Opfer und der Verdächtige gesteht. Alles scheint zu passen. Nur die Beweise sprechen dagegen. Das Kuriose daran: Der Geständige glaubt, dass er der Täter ist, weil seine Erinnerung ihn trügt.

Nicht alles, woran wir uns erinnern, muss sich auch tatsächlich so abgespielt haben. Nicht selten kommt es vor, dass ein Verdächtiger eine Gewalttat gesteht, die er gar nicht begangen hat. Allerdings nicht, um jemanden zu schützen, sondern weil er selbst daran glaubt. Eine Studie der Universität Befordshire zeigt nun, dass es relativ leicht passieren kann, dass unsere Erinnerung uns trügt.

"Es kann nicht irgendeine Erinnerung eingepflanzt werden. Aber wenn das subtil genug in ihre eigene Autobiografie eingebaut wird, sind deutlich falsche Erinnerungen einpflanzbar."

Wortwahl kann Erinnerung verändern

Schon ein einzelnes Wort kann genügen, um unsere Erinnerung zu manipulieren. Untersuchungen zu Aussagen von Augenzeugen beweisen, dass schon die Wortwahl des Versuchsleiters Einfluss hat. Einer Testperson wurden zwei Videos vom Zusammenstoß zweier Autos gezeigt. Nachdem sie das Video gesehen hatten, stellte man ihr jeweils eine Frage dazu. Die wahrgenommene Geschwindigkeit und die Größe des Schadens variieren dabei je nach Wortwahl. Einmal wurde nach dem Zusammenstoß gefragt, einmal nach dem Zusammenknall.

"Bei der Frageformulierung 'geknallt' haben die Leute eine höhere Geschwindigkeit erinnert und in Details mehr zerbrochenes Glas gesehen. Sie hatten eine andere bildliche und akustische Erinnerung nur durch das Wort 'geknallt'."

Bewusst manipulierte Erinnerung

Wenn wir uns an etwas Vergangenes erinnern, wird diese Vorstellung wieder sehr lebendig. Und genau in diesem Augenblick kann das Gedächtnis beeinflusst werden. In einer Studie an der Universität Bedforshire versuchte das Team um Julia Shaw, Erinnerungen bewusst zu manipulieren. Versuchspersonen erzählten Geschichten aus ihrer Kindheit. Darin wurde eine erfundene Geschichte eingeflochten. Schon nach dem dritten Durchgang erinnerten sich die Probanden an Details zu dieser erfundenen Begebenheit. Kriminalbeamte werden in ihrer Ausbildung darauf geschult, keine Suggestivfragen zu stellen. Weil es unethisch ist, aber auch, um Erinnertes nicht zu verfälschen.

"Seitdem man DNA-Analysen gut auswerten kann, geht man davon aus, dass etwa 20 Prozent falsche Geständnisse abgegeben haben, und trotzdem inhaftiert wurden."

Mehr zu Erinnerung und Suggestivfragen