Salat, Avocado, Rohkost, wenig Fleisch? Fritten, Schnitzel - und zum Nachtisch ein Dessert? Welches Essen ist gesünder? Keins von beiden. Gesundes Essen ist ein Mythos. Wichtig ist, dass es uns schmeckt.

DRadio-Wissen-Autorin Verena von Keitz war heute zu spät in der Kantine und hat darum nur noch Pommes mit frittierten Kartoffeltaschen, Salat und Cocktailsoße abbekommen. Ausgewogen, gesund und ballaststoffreich ist dieses Essen nicht. Verena hatte trotzdem kein schlechtes Gewissen.

Pommes mit Kartoffeltasche und Salat
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Verena von Keitz Mittagessen war alles andere als gesund - hat aber geknuspert.

Und das, obwohl in diesem Essen so ziemlich alles drin war, was zurzeit gerne als "ungesund" gebrandet wird: Laktose, Gluten, Fett. Dabei sind Gluten und Laktose wirklich nur für die Menschen ungesund, die eine Unverträglichkeit haben. Grundsätzlich gilt beim Essen: Es gibt schlechtere und bessere Lebensmittel.

"Es gibt jedenfalls nicht die gesunde Ernährung. Es gibt natürlich schlechteres und besseres Essen. Jeder kann in seinem kleinen Kosmos seine Ernährung verbessern."
Ernährungswissenschaftlerin Maike Ehrlichmann über gesunde Ernährung

Abnehmen - durch Verzicht

Wer auf bestimmte Lebensmittel - Milchprodukte, Weizenprodukte - verzichtet, nimmt möglicherweise schneller ab. Das hat aber nicht damit zu tun, dass das Essen gesund ist, sondern einfach mit dem Verzicht auf bestimmte Lebensmittel.

"Es hat Effekte, wann immer jemand zu einer strikten Ernährungsform greift. Egal ob Paleo, vegan oder glutenfrei: Ich esse plötzlich keine Fertigpizza mehr und unbedachte Sandwiches, und ich esse auch nicht mehr den Kuchen der im Büro auf den Tisch kommt."
Ernährungswissenschaftlerin Maike Ehrlichmann über das Abnehmen

Es gehe gar nicht darum, dass wir strikt irgendwelchen Ernährungsformeln folgen. Nein, es geht vielmehr darum, auf den eigenen Körper zu hören, sagt DRadio-Wissen-Autorin Verena von Keitz. Darüber hat sie auch mit der Ernährungswissenschaftlerin Maike Ehrlichmann gesprochen: "Es kommt ja noch dazu, dass sich viele Empfehlungen widersprechen. Das verunsichert die die Leute noch mehr. Dann sitzen die Leute da und zerbrechen sich den Kopf, ob sie jetzt eine Kartoffel essen dürfen oder nicht, aber sie merken überhaupt nicht, ob sie überhaupt Hunger haben."

Es geht um Appetit - nicht um Wissenschaft

Appetit sollte also erstmal aus dem Bauch herauskommen und nicht zu einer Wissenschaft werden, sagt Verena von Keitz. Das ist aber gar nicht so leicht, weil fast jede Woche eine neue Studie zum Thema Ernährung rauskommt. 80 Prozent dieser Studien seien nicht evidenzbasiert: Aus ihnen ließen sich keine klaren wissenschaftlichen Schlüsse ziehen, sagt Maike Ehrlichmann.

Essen gut kombinieren

Der Grund dafür: In der Ernährung haben wir es mit so vielen Substanzen und Stoffen zu tun, dass es kaum möglich ist, alle Wechselwirkungen zu erforschen. Unter diesen Voraussetzungen ist es auch fast unmöglich, herauszufinden, was ein Stoff im Körper macht. Darum gibt es auch nicht die eine gesunde Ernährung sondern viele verschiedene Möglichkeiten Lebensmittel miteinander zu kombinieren.