Wollt ihr genau wissen, welche Henne euer Frühstücksei gelegt hat oder wie das Schwein aufgewachsen ist, dessen Kotelett ihr esst? Das geht mit Patenschaften für Tiere auf Bauerhöfen. Wir erklären, was ihr dafür tun müsst.

Der Hof Paulinenwäldchen bei Aachen zum Beispiel bietet eine Hühnerpatenschaft an. Die Wissenschaftsjournalistin Katja Scherer hat den Betrieb besucht und nachgefragt, wie die Patenschaft genau funktioniert: Als Pate sucht ihr euch ein Huhn aus, zahlt im Monat 12 Euro und bekommt dafür sechs Eier pro Woche, die ihr selbst abholt. Das sind dann nicht unbedingt nur Eier von eurer Patenhenne, sondern auch von den anderen im Stall.

Tierpatenschaften ähneln solidarischer Landwirtschaft

Im Prinzip funktioniert die Tierpatenschaft wie die solidarische Landwirtschaft: Mit der Patenschaft unterstützt ihr den Landwirt bei der Hühnerhaltung. Der Unterschied zur Solawi: Ihr unterstützt nur die Hühner und nicht den ganzen Hof.

Was habt ihr von der Patenschaft? Ihr könnt euch persönlich davon überzeugen, ob es eurem Huhn gut geht, wenn ihr euer wöchentliches Eierkontingent abholt.

Planungssicherheit für artgerechte Tierhaltung

Für die Landwirtin bedeutet das Planungssicherheit, denn die Patenschaft läuft für ein Jahr. Sie kann also mit einem festen Betrag rechnen, wie Sandra Melcher erklärt, die für die Hühnerpatenschaft auf dem Hof Paulinenwäldchen zuständig ist.

"Das war die Idee dahinter, dass man wirklich so ein ganzes Jahr die Sicherheit hat: Die Paten bezahlen, wir liefern die Eier. So kann man viel besser planen."
Sandra Melcher betreut die Hühnerpatenschaft auf dem Hof Paulinenwäldchen

Und die Tiere haben in diesem Fall auch etwas davon: Mithilfe der gesicherten Einnahmen setzt der Hof auch das Bruder-Hahn-Projekt um, also dass die männlichen Küken mitaufgezogen und nicht getötet werden.

Patenschaften für Bienen, Schweine und Kühe

Es gibt aber auch noch andere Formen der Tierpatenschaft, berichtet Katja Scherer. Nicht immer muss man in der Nähe des Hofs wohnen wie bei der Hühnerpatenschaft. Beispielsweise könnt ihr eine Patenschaft für ein Bienenvolk übernehmen – unabhängig davon, ob ihr in der Nähe wohnt oder nicht.

Außerdem könnt ihr Pate oder Patin für Kühe werden. Im Gegenzug bekommt ihr dann Milch und Käse. Oder ihr übernehmt eine Patenschaft für ein Ferkel und bekommt nach der Aufzucht und Schlachtung das Fleisch des Schweins.

Landwirte, die solche Patenschaften anbieten, möchte so vor allem die Haltung der Tiere verbessern können, indem sie unabhängig vom Lebensmittelmarkt direkt ihre Tiere an die Konsumenten verkaufen. Mit dem gesicherten und höheren Einkommen können sie eine artgerechte Haltung umsetzen.

Höherer Preis für mehr Tierschutz

Dafür, dass die Tiere artgerecht gehalten werden, zahlen wir einen höheren Preis. Ein Patenschafts-Ei vom Hof Paulinenwäldchen kostet umgerechnet 46 Cent, ungefähr so viel wie ein Bruderhahn-Ei aus dem Bioladen kostet. Das Glas Imkerhonig aus dem Patenschaftsprojekt kostet 5 Euro.

Die Molkerei Andechser bietet eine Kuhpatenschaft für 96 Euro im Jahr an. Dafür bekommt ihr zweimal Jahr eine Lieferung mit Milchprodukten in einem Gesamtwert von 60 Euro. Der Rest des Geldes ist quasi eine Spende für ökologische Projekte auf den beteiligten Bauernhöfen. Dafür erhaltet ihr dann aber auch einen Steckbrief der Kuh und regelmäßige Informationen über Tier und Hof. Und wer es ganz genau wissen will, darf die Kuh nach Absprache mit dem Hof auch besuchen.

Ein Verzeichnis der Höfe, die Tierpatenschaften anbieten, gibt es leider nicht. Wer eine Patenschaft übernehmen möchte, muss vor Ort Landwirte fragen oder im Internet nach bestimmten Tierpatenschaften suchen.