Niko Rittenau ist Ernährungswissenschaftler und Koch. Er will Wissen vermitteln. Denn rund ums Essen kursieren Halbwissen, Mythen und Klischees.

Niko Rittenau, in Österreich geboren, hat ursprünglich eine Ausbildung im Hotellerie- und Gastronomiebereich gemacht. Er ist ausgebildeter Koch.

Kurz bevor er auf den Cayman Islands ein Luxus-Ressort übernehmen sollte, hat er sich für ein Studium der Ernährungsberatung entschieden und einen Master in Mikro- und Nährstofftherapie und Regulationsmedizin gemacht. Später hat er an der Uni Bonn im Bereich Lebensmittel- und Ernährungswissenschaft promoviert.

Hinter dem Wandel steckt eine Art Sinnkrise, die ihn auch 2013 dazu gebracht hat, Fleisch aus seiner Ernährung zu streichen.

Essen ist politisch

Denn wie wir uns ernähren, ist heute eine schwerwiegende Frage, sagt Niko Rittau. Die Entscheidung für Fleischkonsum hat Auswirkungen auf die Umwelt und das Klima, erklärt der Ernährungswissenschaftler.

Dafür werden viele Milliarden Tiere an Land gezüchtet und gehalten. Für Weideflächen und Futter wird Regenwald gerodet. Dazu kommt die Überfischung der Meere. Dieser Konsum führt zur Zerstörung von Ökosystemen mit weitreichenden Folgen – auch für unsere eigene Gesundheit, sagt Niko Rittau.

Essen ist persönlich

Weil aber Essen auch etwas sehr Persönliches und Emotionales sei, werden die Debatten um die richtige Ernährung hitzig geführt. "Deshalb versuche ich das Thema auf eine rationale Ebene zu heben", sagt Niko Rittenau.

Für ihn stellt sich als zentrale Frage, wie die über zehn Milliarden Menschen, die 2050 auf der Erde leben werden, gesundheitsförderlich, nachhaltig und ethisch ernährt werden können. Food-Technologie, Politik und das eigene Verhalten würden dabei eine große Rolle spielen.

"Es gibt zwar verschiedene Lager in der Bevölkerung, aber am Ende des Tages sitzen wir alle im selben Boot. Wir habe nur einen Planeten."
Niko Rittenau, Ernährungswissenschaftler und Koch

Noch immer würden sich hartnäckig die Vorstellung halten wie: Fleischesser stinken - Menschen, die sich vegan ernähren, nicht. Mehrere Studien haben nachgewiesen, dass der Körpergeruch von Menschen, die rotes Fleisch essen, anders ist, aber fleischessende Menschen stinken nicht per se, sagt Niko Rittau.

Der Geruch eines Menschen hängt von einer eher eiweißreichen oder -armen Nahrung ab, erklärt der Ernährungswissenschaftler. "Das ist keine Frage von vegan oder Mischkost, sondern der genauen Kostzusammensetzung", sagt er.

Klischees und Mythen bekämpfen

Ein großer Teil seiner Arbeit sei, in seinen Büchern, Vorträgen oder auf seinem Youtube-Kanal, solche Klischees und Mythen rund um das Thema Ernährung und im speziellen zur veganen Ernährung auszuräumen. So heißt sein erstes Buch auch "Vegan-Klischee ade".

Niko Rittenau sieht sich als ein Vermittler zwischen Wissenschaft und Verbrauchenden, um über nachhaltige Lebensmittelproduktion und Ernährung zu informieren. Ein wirklicher Wandel bei den Ernährungsgewohnheiten könne aus seiner Sicht aber nur stattfinden, wenn auf einer breiten politischen Ebene gehandelt werde - beispielsweise dadurch, dass mehr Gelder in die Forschung fließen.

Der Geschmack des Essens und die Gewohnheiten sind wichtige Argumente bei der Frage der Lebensmittelwahl. Deshalb glaubt Niko Rittenau, dass wir in den nächsten Jahrzehnten nach wie vor Fleisch und Milchprodukte essen werden.

"Das Tier als Produzent wird ein Auslaufmodell."
Niko Rittenau, Ernährungswissenschaftler und Koch

Nach und nach werde aber das Tier als Fleischproduzent von der zellbasierten Landwirtschaft abgelöst, sagt Niko Rittau. Bis zur Mitte des Jahrhunderts sollen nach Schätzungen bis zu 60 Prozent des weltweiten Fleischkonsums aus Zellkulturen oder aus Pflanzen stammen.

"Wir können mit jeder Mahlzeit nicht nur etwas Gutes für uns selbst tun, sondern auch für jede andere Art von Leben auf dem Planeten und für den Planeten selbst."
Niko Rittenau, Ernährungswissenschaftler und Koch

Im Gespräch erklärt Niko Rittenau, warum gerade beim Thema Essen viel Falschinformationen kursieren, wie er zum Thema Essen überhaupt gekommen ist, warum er kein Luxus-Ressort auf den Cayman Inseln leitet und aber wann er wieder in ein herzhaftes Schnitzel beißen würde. Das ganze Gespräch hört ihr, wenn ihr oben auf den Playbutton klickt.