Ersatzmilch-Produkte, die mit "Bio" und "Kalzium" deklariert sind, enthalten in der Regel Kalziumzusätze, die aus abgestorbenen Algen gewonnen werden. Das Problem: Bis auf wenige Ausnahmen dürfen laut EU-Vorschrift Bio-Lebensmittel grundsätzlich nicht mit Zusatzstoffen angereichert werden.

Die Meeresalge Lithothamnium Calcareum lagert besonders viel Kalzium in ihre Zellen ein. Sterben die Algen ab und sinken auf den Meeresboden, bilden sich daraus verhärtete, kalziumreiche Schichten. Von der Nahrungsmittelindustrie werden die Schichten schon lange genutzt, um daraus Kalzium zu gewinnen – zum Beispiel für Nahrungsergänzungsmittel oder als Lebensmittelzusatz.

Zusatzstoffe in Bio-Produkten grundsätzlich verboten

Das Problem: Nach EU-Recht dürfen Bio-Lebensmittel grundsätzlich nicht mit Zusatzstoffen, wie Mineralien oder Vitaminen, angereichert werden, sagt unsere Reporterin Verena von Keitz. Doch genau das ist der Fall bei manchen Milchersatz-Getränken, die mit "Bio" oder dem Zusatz "Kalzium" deklariert sind.

"Biolebensmittel dürfen nach EU-Recht grundsätzlich nicht angereichert werden – mit Zusatzstoffen, wie Mineralien oder Vitaminen. Außer, wenn das gesetzlich vorgeschrieben ist. Bei Babynahrung gibt es da zum Beispiel Regelungen."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk Nova

Nur bei Zusatzstoffen, die für die Herstellung oder Haltbarkeit von Lebensmitteln unabdingbar sind, gibt es Ausnahmen. "Da gibt es extra eine Liste von 50 Stoffen, die in Biolebensmitteln zugelassen sind, Lithothamnium ist nicht drauf", sagt Verena. Ausnahmen gibt es auch bei Babynahrung zum Beispiel.

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Ein juristischer Streit darüber läuft inzwischen seit mehreren Jahren. Bereits 2016 urteilte das Oberlandesgericht Münster gegen einen Hersteller, dass es sich bei dem Algenpulver nicht um ein erlaubtes pflanzliches oder landwirtschaftliches Produkt handeln würde, sondern um einen beigefügten Mineralstoff. Der Produzent ging in Revision. Jetzt liegt der Fall beim Europäischen Gerichtshof, der entscheiden muss, wie die Alge eingeordnet wird.

Kalkhaltige Schichten wichtig für das Ökosystem

Kalkhaltige Schichten aus Algen seien darüberhinaus wichtig für das Ökosystem, in dem sie wachsen, sagen Meeresforscher und auch die internationale Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen IFOAM. Es sei fraglich, wie nachhaltig es ist, die kalkhaltigen Schichten von abgestorbenen Algen abzubauen. Die Schichten seien rar, würden aber wichtige, artenreiche Ökosysteme im Meer bilden. Schon durch eine geringe kommerzielle Nutzung könnten sie stark gefährdet oder zerstört werden.