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Mit der ersten großen Liebe aus der Schulzeit immer noch zusammen zu sein? Das ist die Geschichte von Julia und Ebru. Aber was braucht es, um eine Beziehung langfristig glücklich zu führen – oder auch, um rechtzeitig den Absprung zu schaffen?

Julia und Ebru sind in ihrer Teenagerzeit ein Paar geworden – und ihre Beziehung hält bis heute. Ebru ist 15, als sie an die Schule der 16-jährigen Julia kommt. Sie erinnert sich, dass sie sehr schnell wusste, dass es etwas Ernstes mit Ebru ist – mehr als nur eine enge Freundschaft.

"Ich konnte das ziemlich schnell, ziemlich klar für mich definieren, dass das Liebe ist."
Julia, ist seit über zwölf Jahren mit Ebru zusammen

Herausforderungen in Teenager-Beziehungen

In ihrem österreichischen Dorf mussten die beiden allerdings zunächst zurückhaltend sein und hielten ihre queere Beziehung eher geheim. Es gab anfangs auch Höhen und Tiefen. Insgesamt waren sie jedoch von Beginn an eine starke Einheit, sagen die beiden heute.

Schwierige Zeit für Julia und Ebru

Eine größere Krise erlebten die beiden, als Julia ein Jahr früher als Ebru mit der Schule fertig war und für ihr Studium wegzog. "Plötzlich hat sich mein Horizont richtig erweitert, weil ich ganz viele neue Leute kennengelernt habe. Und sie war noch zu Hause in der Schule im Dorf. Sie war gestresst wegen des Abis, ich war gestresst wegen der Uni", erzählt Julia. Eine schwierige Zeit für beide, die dazu führte, dass sie zunächst eine Beziehungspause einlegten.

Doch die beiden setzten sich zu einem späteren Zeitpunkt wieder zusammen, sprachen über alles – und fanden wieder zueinander. Als Ebru dann auch ihr Abi gemacht hatte, zog sie zu Julia nach Wien. Ein wichtiges Learning für die beiden im Nachhinein: In einer Beziehung eigenständig bleiben und sich nicht nur auf die Partnerin konzentrieren.

"Auch wenn wir uns haben, brauchen wir trotzdem noch jeweils unsere eigenen Freundinnen, müssen Dinge getrennt voneinander tun und dürfen nicht zu obszessiv miteinander sein."
Julia, ist seit über zwölf Jahren mit Ebru zusammen

Pia Schober ist Soziologin und Institutsleiterin an der Universität Tübingen und hat die Beziehungen junger Menschen untersucht – im Zeitraum, in dem diese zwischen 15 und 22 Jahre alt waren. "Wir konnten feststellen, dass Jugendliche im Durchschnitt in dieser Zeitspanne 1,9 Partnerschaften hatten. Ein Viertel der Jugendlichen gab jedoch an, noch keine Partnerschaft von mindestens drei Monaten geführt zu haben", so die Soziologin.

Beziehungen in jungen Jahren prägen fürs Leben

Wer in diesem Zeitraum eine Beziehung hatte, begann diese im Durchschnitt mit etwa 17 Jahren. Die längste Beziehung der begleiteten Jugendlichen hielt etwa 18 Monate.

Diese Beziehungen, die wir im Teenageralter oder als junge Erwachsene haben, prägen uns fürs Leben. Denn es gibt bereits in relativ jungen Jahren Angleichungsprozesse, erklärt Pia Schober: "Andere Studien zeigen, dass sich Partner gegenseitig beeinflussen. Dieser Einfluss ist auch in relativ jungen Beziehungen nicht unbedingt geringer als in späteren Beziehungen."

Verpasse ich etwas in einer Langzeitbeziehung?

Julia und Ebru sind seit über zwölf Jahren ein Paar. Julia hatte in dieser Zeit nie das Gefühl, etwas zu verpassen – auch in Bezug auf sexuelle Erfahrungen. "Als ich jünger war, hatte ich gar nicht das Interesse, das irgendwie auszuleben. Und wenn ich heute das Gefühl hätte, etwas zu verpassen oder nachholen zu müssen, würde ich das einfach offen mit ihr kommunizieren", sagt Julia.

Julia vermutet, dass es dann zunächst zu Diskussionen und Drama kommen könnte. Sie geht jedoch davon aus, dass sie mit Ebru eine Lösung finden würde.

"Ich glaube, es wäre gelogen, wenn man sagen würde, man hat sich noch nie gefragt, wie es mit jemand anderem wäre."
Ebru, ist seit über zwölf Jahren mit Julia zusammen

Angesprochen auf die Vorteile einer Beziehung, die bereits im Teenageralter begonnen hat, sagen beide: Wir sind zusammen groß geworden. "Unsere Familien sind so eng miteinander verknüpft. Ich glaube, wenn man sich mit Mitte 20 oder Mitte 30 verpartnert, ist es gar nicht mehr möglich, so ein Level zu erreichen."

Die vielen gemeinsamen Erlebnisse haben die beiden stark geprägt, erzählt Ebru. "Wenn ich neue Menschen kennenlerne und von meinem Leben erzähle, war Julia immer schon Teil davon, und das finde ich richtig schön. Weil es einfach mega besonders ist."

Julia und Ebru sagen, dass ihr Beziehungsgeheimnis aus mehreren Komponenten besteht: einem starken Teamgefühl, gegenseitiger Wertschätzung und der Entscheidung, zusammenbleiben zu wollen.

Wie man als Paar lange glücklich bleibt

Dass Julia und Ebru es vom Teenageralter bis heute geschafft haben, zusammen zu bleiben, ist durchaus bemerkenswert. Denn gerade im jungen Erwachsenenalter gibt es viele Veränderungen und wir entwickeln uns noch stark. "Wir beenden die Schule, machen das Abitur, beginnen eine Ausbildung oder ein Studium – oder gehen ins Ausland. Und da ist es dann spannend, ob eine Beziehung mit uns und miteinander wachsen kann", sagt die Psychologin Diana Böttcher.

"Da ist natürlich die Herausforderung: Entwickeln wir uns in ähnliche Richtungen? Dann ist da natürlich das Thema der räumlichen Nähe. Verändert die sich?"
Diana Böttcher, Psychologin und Paartherapeutin

Im Teenageralter zusammenzukommen, bringt besondere Herausforderungen mit sich. Gerade diese Zeit zwischen Schule und dem Erwachsenwerden ist für Beziehungen nicht einfach, so die Psychologin.

Wenn Menschen jung als Paar zusammenfinden, verbindet sie durchaus sehr viel, sagt Diana Böttcher. Trotzdem müssen Paare im Laufe der Zeit immer wieder für sich herausfinden, ob es noch passt, um langfristig glücklich zu sein – etwa im Hinblick auf die eigenen Werte und Haltungen zu bestimmten Themen. "Manchmal entwickelt sich das unterschiedlich, und dann passt es einfach nicht mehr. Dann wird es eher zu einem Krampf, und wir versuchen, etwas passend zu machen, bei dem wir eigentlich schon herausgewachsen sind", sagt die Psychologin.

Emotionale Verbundenheit ist wichtig

Wichtig ist es der Psychologin zufolge, emotional verbunden zu sein, um durch die Höhen und Tiefen des Lebens gehen zu können. Vor allem die schwierigen Phasen seien oft die, die eine Beziehung auf den Prüfstand stellen. Als Beispiel nennt Diana Böttcher eine Fernbeziehung.

"Bei einer Fernbeziehung müssen wir kreativer sein. Wir müssen schauen: Wie können wir den Kontakt halten? Wollen beide den Kontakt und engagieren sich?"
Diana Böttcher, Psychologin und Paartherapeutin

In einer Langzeitbeziehung fehlen den Partnerinnen und Partnern oft die Vergleichsmöglichkeiten, wie es mit einer anderen Person wäre. Wer sich irgendwann diese Frage stellt oder beginnt, neugierig zu werden, sollte das auf jeden Fall offen kommunizieren, rät Diana Böttcher. "Wichtig ist, dass es nicht tabuisiert wird und dass man realistisch bleibt, denn solche Gedanken und Bedürfnisse sind völlig normal", so die Psychologin.

Hinweis: Auf dem Bild oben sind nicht Julia und Ebru zu sehen.

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Shownotes
Erste große Liebe
Wie entwickeln wir uns als Paar gemeinsam?
vom 09. Januar 2026
Gesprächspartnerinnen: 
Julia und Ebru, sind seit über 12 Jahren ein Paar
Gesprächspartnerin: 
Diana Böttcher, Psychologin und Paartherapeutin
Gesprächspartnerin: 
Prof. Dr. Pia Schober, Soziologin Uni Tübingen
Autorin und Host: 
Shalin Rogall
Redaktion: 
Betti Brecke, Christian Schmitt, Anne Göbel, Friederike Seeger 
Produktion: 
Johann Günther