Schnell mal Eis ins Gesicht - das ist nicht nur das Geheimrezept von Kate Moss nach einer durchfeierten Nacht. Es stabilisiert auch den Kreislauf nach Blutverlust.

Eis ins Gesicht - das könnte eine Erfolg versprechende Methode auch bei Erster Hilfe sein. Mediziner der Uni Buffalo testen das gerade, um Menschen mit Blutverlust zu helfen. 

Genauer gesagt geht es ihnen um Menschen, die zum Beispiel bei Unfällen viel Blut verloren haben. Selbst wenn die Blutung gestillt wird, besteht oft die Gefahr, dass der Blutdruck plötzlich fällt und damit der Körper und wichtige Organe nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden. Es droht ein Kollaps.

"Das Bewährte ist erst mal: da wo es blutet, draufdrücken - damit es aufhört zu bluten."
Notfallmediziner Johannes Wimmer

Den Blutdruck stabilisieren

Für ihre Versuche haben die Wissenschaftler zehn Freiwillige in eine Art Druckkammer gesteckt, in der Bedingungen nachgestellt werden können, so als ob die Probanden einen Liter Blut verloren hätten und gerade eine Abschnürbinde verpasst bekommen. 

Es zeigte sich: Mit einem Eisbeutel auf dem Gesicht verbesserte sich der Blutdruck. Dieser Effekt hielt 15 Minuten lang an. Das wäre ein einfaches Mittel für Ersthelfer, die an einen Unfallort gerufen werden.

"Das soll so funktionieren, dass die Kälte im Gesicht dafür sorgt, dass der Körper sich insgesamt runterreguliert und das Blut eher zentriert."
Notfallmediziner Johannes Wimmer

Notfallmediziner Johannes Wimmer erklärt: Wenn ich Blut verliere, brauche ich das Blut zentral, und nicht in den Armen und Beinen. "Der Körper braucht das Blut, um den Druck in den Organen und ihre Funktionen aufrecht zu erhalten."

Ganz viele Nervenenden im Gesicht sorgen dafür, dass sich der Körper zentral reguliert, wenn das Gesicht mit dem Eis in Berührung kommt.

Ab einem Liter Blutverlust wird es kritisch

Eine kritische Marke für den Körper ist etwa ab einem Liter Blutverlust erreicht, meint Johannes Wimmer.

Daher sollte immer als erstes die Wunde versorgt, das heißt die Blutung gestoppt werden. Wenn das Blut permanent aus einer Wunde "wie aus einem kleinen Springbrunnen" spritzt, handelt es sich um eine arterielle Blutung, die man mechanisch stoppen muss, sagt der Arzt.

"Indem ich zum Beispiel einen Gürtel umlege, den ganz fest zuziehe. Oder man legt ein Kabel oder was immer man hat, um, macht einen Knoten rein, steckt einen Stock rein und dreht das wie so einen Schraubenzieher."
Notfallmediziner Johannes Wimmer