Die ARD schickt Xavier Naidoo nun doch nicht zum Eurovision Song Contest. Vielleicht ist den Verantwortlichen die Kritik an Naidoo zu laut geworden. Der Sänger sympathisiert nämlich mit den Reichsbürgern - einer Truppe, die überzeugt davon ist, dass das Deutsche Reich nie aufgehört hat zu existieren.

Xavier Naidoo singt beim Eurovision Song Contest nicht für Deutschland - das hat die ARD nun bekannt gegeben. Keine musikalische Entscheidung - sondern eine politische: Xavier Naidoo war nämlich 2014 bei einer Kundgebung aus dem Umfeld der Reichsbürger aufgetreten: Einer Truppe, die überzeugt davon ist, dass das Deutsche Reich nie aufgehört hat zu existieren. Deutschland sei kein souveräner Staat und seit dem zweiten Weltkrieg von den Alliierten besetzt.

Das passt auf den ersten Blick nicht zu Xavier Naidoo, der sich auch gegen rechte Gewalt engagiert. Er sagt: "Man bezeichnete mich als homophob, als esoterischen Spinner und als religiösen Fanatiker. All das bin ich genau so wenig wie rechtspopulistisch." Bei einem TV-Auftritt 2011 sagte er jedoch auch, Deutschland sei nicht frei: "Wir sind immer noch ein besetztes Land."

Verschwörungstheoretiker und Rechtsausleger

Der Journalist Manuel Möglich hat in den Kreisen der Reichsbürger recherchiert. Er sagt, es falle oft schwer, die Aussagen ernst zu nehmen. Die Reichsbürger behaupten beispielsweise, Deutschland sei eine "BRD GmbH" und kein Staat. Als Beweis führen sie unter anderem einen alten Handelsregister-Eintrag an. Auch der Personalausweis ist für sie ein Indiz, weil er nicht Bürger sondern "Personal" identifiziere. So weit, so krude. Jedoch ernst gemeint.

"Das ist zwar auf eine Art witzig, wenn man mit den Leuten redet, weil es so wirr ist. Man sollte aber nicht den Fehler begehen, sie nur als Vollidioten abzustempeln. Sie meinen das wirklich ernst."
Manuel Möglich, Journalist

Unter den Reichsbürgern gibt es unterschiedliche Gruppierungen. Eine beansprucht sogar eine eigene "Exil-Regierung". Unter den hauptsächlich männlichen Anhängern finden sich viele Strömungen aus Verschwörungstheoretikern und Rechtspopulisten. Mit ihnen richtige Gespräche zu führen, sei schwer, sagt Manuel Möglich. Nicht nur weil die Mitglieder auf ihren Argumenten und Quellen beharren, weil sie von überall Manipulation wittern: Medien, Politik, Wirtschaft. Und noch etwas hat Manuel Möglich bei seinen Recherchen bemerkt: "Das ist eine Haltung, die irgendwann in eine rechte Ecke abdriftet."

"Wie Xavier Naidoo drauf ist, weiß ich nicht, aber es ist schon etwas fragwürdig, sich diesen Leuten anzuschließen", sagt Manuel Möglich. Nach seinem Auftritt 2014 war Naidoo bei einigen Äußerungen zurückgerudert, andere hatte er bekräftigt.

Der NDR hatte sich zunächst hinter seine Entscheidung für Xavier Naidoo gestellt, ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber sagte: "Xavier Naidoo ist weder rechtspopulistisch noch homophob oder antisemitisch". Nun ist den verantwortlichen der öffentliche Druck wohl doch zu groß geworden. Schreiber sagt: "Die Wucht der Reaktionen hat uns überrascht".