Nicht nur bei Kaffee, Fleisch oder Klamotten sollten wir genau darauf achten, wie sie produziert worden sind: Leichtfertiger Pornokonsum fördert eine Industrie, die Menschen misshandelt, ausbeutet und diskriminiert.

Wer sich mal schnell und kostenlos bei Youporn ein Filmchen anguckt, der gibt sein Recht ab, sich über die Misshandlung von Frauen und Menschenhandel in der Pornoindustrie zu beschweren. So könnte die These des amerikanischen Psychologen David Ley zusammengefasst werden.

Pornokonsum und Masturbation gehen Hand in Hand

Er hat das Buch „Ethical Porn for Dicks: A Man's Guide to Responsible Viewing Pleasure“ über fair produzierte Pornos geschrieben, dass sich laut Titel ganz besonders an Männer richtet.

"Männer sind faul. Psychologisch betrachtet. Männer schauen Pornos, um sich besser zu fühlen, wenn sie gestresst oder deprimiert sind. Und wenn sie eine Sache haben, die für sie funktioniert, dann übertreiben sie es damit.“
David Ley, Klinischer Psychologe

David Ley verurteilt seine Patienten nicht generell dafür, dass sie sich Pornos angucken und masturbieren, um Stress abzubauen. Problematisch wird es für ihn dann, wenn Männer auch bei der Arbeit oder während eines Besuchs bei Freunden und Verwandten keine andere Strategie parat haben, um runterzukommen. Insgesamt verknüpfen laut mehrerer Studien neun von zehn Männern den Pornokonsum mit Masturbation, behauptet David Ley.

Zustände der Pornoindustrie spiegeln unsere Zeit wider

Er sieht eindeutige Parallelen zu anderen Bereichen des Lebens wie zum Beispiel der Produktion von Kaffee. Wer sicher sein will, dass der Kaffee nicht unter miserablen Bedingungen angebaut und geerntet wird, der muss eben Fair-Trade Kaffee kaufen, meint Ley. Das gleiche erwartet er auch von Pornos und ihren Konsumenten.

"Porno ist ein Medium wie alle anderen auch und wir können eine Menge daraus lernen. Mir gefällt zum Beispiel vieles nicht am Profisport oder an Hollywoodfilmen. Damit habe ich ethische Probleme! Und ja, auch mit Pornos! Ausbeutung, Sexismus, Rassismus, das alles gibt es auch im Porno."
David Ley, Klinischer Psychologe

Der Psychologe ist davon überzeugt, dass wir die negativen Aspekte des Pornos, wie Rassismus und Sexismus nur dann hinter uns lassen können, wenn wir sie auch in unserem Inneren bekämpfen und unsere Einstellungen ändern.

Eine Idee, um gegen die Ausbeutung in der Pornoindustrie vorzugehen, hat die Pornoseite Pornhub entwickelt. Dort können sich Interessierte auch als Amateur mit Klarnamen und anderen wichtigen Infos anmelden, die ein Mitarbeiter des Anbieters vor Ort überprüft und absegnet.

Mehr über Sex, Männer und Pornokonsum: