In einer offenen Beziehung binden wir uns emotional an eine Person und haben aber auch Sex mit anderen Partner*innen. Olli hatte so eine offene Beziehung und erklärt uns, wieso diese Beziehungsform bei ihm gescheitert ist. Die Psychologen Anna und Omer haben Ratschläge, wie eine offene Beziehung gelingen kann.

Fünf Jahre war Olli in einer monogamen Beziehung mit seinem Freund. Das Paar war kurz davor, sich zu trennen. Die Spannung im Bett war einfach nicht mehr da, erzählt Olli. An dem Punkt entscheiden sich dann aber beide gegen eine Trennung und für eine offene Beziehung.

Das Öffnen der Beziehung kann ein probates Mittel gegen den Mangel an sexueller Spannung in Langzeitbeziehungen sein, dass berichten auch die Psycholog*innen Anna und Omer aus ihrer Erfahrung.

Gerade in einer solchen Konstellation könne es gut gehen, die Beziehung zu öffnen. Es bestehe die Möglichkeit, wieder mehr Abenteuer in die Sexualität der Beziehung zu bringen.

Fehler in offenen Beziehungen

Bei Ollis offener Beziehung gab es jedoch keine Regeln. Er nutzte die neue Freiheit für sexuelle Kontakte und war dennoch eifersüchtig. Nach einem Jahr haben er und sein Freund sich dann schließlich getrennt. Heute weiß Olli, die beiden hätten einfach mehr miteinander kommunizieren müssen.

"Wir haben nicht ganz so intensiv über die Regeln und Erlebnisse gesprochen, und ich glaube, das ist auch so ein Fehler gewesen."
Olli über die Gründe der Trennung

Neben der fehlenden Kommunikation sei es ein häufiger Fehler, dass nur ein*e Partner*in das Konzept der offenen Beziehung wirklich gut findet. Und der oder die andere nur dem Partner zuliebe einwillige. Die Psychologen Anna und Omer sagen, dass aus Verlustangst die eigenen Grenzen manchmal nicht mehr gesehen werden.

"Das ist natürlich sehr gefährlich, wenn man 'ja' sagt zur offenen Beziehung aus der Angst heraus, verlassen zu werden und dann Grenzen überschritten werden."
Anna über die Fallstricke bei offenen Beziehungen

Durch eine neue Situation, in der wir uns wiederfinden, könne es auch sein, dass alte emotionale Wunden aufreißen. Die Ängste davor, Verlassen zu werden oder nicht zu genügen, sind dabei häufige alte Wunden, die beim Öffnen der Beziehung getriggert werden können, erklären die Psycholog*innen.

Ebenfalls ist es möglich, dass ein*e Partner*in durch das Führen einer offenen Beziehung vor Bindungsängsten flieht. Das starke Verlangen nach Autonomie sei typisch für Menschen mit Bindungsangst.

Wie offene Beziehungen funktionieren können

Omer und Anna sagen ganz klar, dass es zwei Anker gibt für eine gut laufende Beziehung, egal ob offen oder monogam: Vertrauen und Kommunikation. Bei einer offenen Beziehung können klare Absprachen im Vorhinein und ein langsames Herantasten die Partnerschaft unterstützen.

"Regeln können sehr hilfreich sein und helfen, dass nicht zu schnell zu viel Veränderung passiert und gleichzeitig noch eine Kommunikation möglich ist."
Omer über die Möglichkeit, eine Beziehung langsam ans Öffnen zu gewöhnen

Außerdem sei es besonders wichtig zu verstehen, woher der Wunsch einer offenen Beziehung kommt. Möchte ich damit alte Ängste umgehen oder ist es das pure Ausleben-Wollen der Sexualität? Häufig ist die Linie dabei sehr fein, sagen Anna und Omer.

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