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Cookies nerven. Sie machen einige Online-Dienste überhaupt erst möglich. Sie sammeln Daten. Wobei das inzwischen noch viel trickreicher und subtiler passiert. Über Tracking per Ultraschall, per Zahnbürste oder durch das Sammeln biometrischer Merkmale, wenn wir über das Smartphone wischen, spricht der KI-Ethiker Thilo Hagendorff.

Steuern wir eine Website an, kommt unvermeidlich die Abfrage, welche Daten wir preisgeben und welche Cookies wir akzeptieren wollen. Diese Daten sind relevant – für Unternehmen und den Handel mit Daten. Sie ermöglichen Empfehlungssysteme ebenso wie Preis-Diskriminierung. So bekommt zum Beispiel eine Person, die Apple-Produkte nutzt, unter Umständen höhere Preise angezeigt, als andere, sagt unser Redner.

"Wir haben eine große wirtschaftliche Bedeutung des Trackings, letztendlich geht es darum, Kaufanregungen, Kaufanreize zunehmend subtiler setzen zu können."

Dem Tracking zu entkommen, ist fast unmöglich

Unsere Daten werden gesammelt und zu persönlichen Profilen zusammengesetzt. Gleichzeitig sind die Möglichkeiten, diese Datensammlung und Verwertung zu vermeiden, stark eingeschränkt oder gleich gar nicht vorhanden. Thilo Hagendorff stellt die Frage, ob Anonymität heute überhaupt noch möglich ist.

"Dem Tracking zu entkommen, ist fast unmöglich geworden, wenn man an modernen Gesellschaften teilnehmen möchte."

Zumal die Methoden zum Einsammeln von Daten immer ausgefeilter werden. Zahnbürste oder Spielkonsole können zu Datensammlern werden. Für den Menschen nicht hörbare Ultraschall-Signale können uns verorten. Die Art und Weise, wie ich über mein Display wische, erzählt vielleicht mehr über mich, als mir lieb sein kann.

"Diese Verfahren sind sehr intransparent und sie stellen eine hohe Eingriffstiefe in die Privatheit dar."

Thilo Hagendorff hat Philosophie, Kulturwissenschaften und Deutsche Literatur studiert. Er arbeitet im Exzellenz-Cluster "Machine Learning: New Perspectives for Science" sowie am Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften an der Universität Tübingen. Thilo Hagendorff trägt zum Forum Privatheit bei, das auch zum Thema Tracking eine Stellungnahme veröffentlicht hat. Seinen Vortrag mit dem Titel "Beschreibung und Bewertung neuer Tracking-Methoden" hat er am 19.04.2021 online gehalten, im Rahmen der Vorlesungsreihe "Internet und Privatheit" der Technischen Universität Berlin.