Eine junge Frau, die um 1900 tot im Fluss Seine entdeckt wurde, dient als Vorlage für das weibliche Modell der klassischen Beatmungspuppe. Nur wenig ist über sie bekannt.

Sie soll ungefähr sechzehn Jahre alt gewesen sein. Niemand kennt die genaue Identität der jungen Frau, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts im französischen Fluss Seine vermutlich ertrunken ist und in Paris aus dem Wasser gezogen wurde.

Ihre Identität konnte nie festgestellt werden

Äußerliche Gewalteinwirkung konnte an der Leiche nicht festgestellt werden, deswegen vermutete man, dass es sich um eine Selbstmörderin gehandelt habe.

Inzwischen ist die Tote zu einiger Berühmtheit gelangt: Weltweit gibt es Beatmungspuppen, die nach ihrem Vorbild gestaltet wurden. Resusci Anne wird sie genannt (oben im Bild). Der Mann dazu heißt Resusci Andy und das Kleinkind Resusci Baby. Resuscitation ist ein englisches Wort für Reanimation, also Wiederbelebung.

Zwei Medizinerinnen der Universität Liverpool, Sarah McKernon und Stephanie Loke, haben in der Weihnachtsausgabe des Fachmagazins British Medical Journal zusammengetragen, was über diese junge Frau bekannt ist, um die sich viele Legenden ranken.

Von der Totenmaske zur Beatmungspuppe

Das Besondere an der Toten soll ihr schöner und friedlich wirkender Gesichtsausdruck gewesen sein. Das soll zumindest der Pathologe so empfunden haben, der einen Abdruck ihres Gesichtes anfertigen ließ.

Dieser Abdruck wurde dann zur Vorlage für Masken, die man in Paris kaufen und sich im Wohnzimmer aufhängen konnte. Fasziniert waren viele wohl davon, dass es so viele Mythen über das Mädchen gab, da ihre Identität nie geklärt werden konnte.

Puppenhersteller erinnert sich an die Maske

Mitte der 1950er Jahre stellten sich Ärzte die Frage, wie man eine Herz-Druck-Massage üben kann. Sie hatten die Idee, eine Kunststoff-Puppe fertigen zu lassen.

Der Puppen-Hersteller Åsmund Laerdal soll sich beim Entwurf an die Totenmaske erinnert haben, die bei seinen Großeltern an der Wand hing. Das soll ihm als Inspiration für die Beatmungspuppe gedient haben.

Anfangs habe die medizinische Puppe sehr der Unbekannten aus der Seine geähnelt, schreiben die Medizinerinnen in ihrem Fachbeitrag. Inzwischen ist die Darstellung viel abstrakter geworden.

Ohne Einwilligung der Toten

Der Medizin-Ethiker Julian Sheather schreibt zu diesem Fall, dass man heute nicht mehr so vorgehen würde. Als unethisch empfindet er es, eine Tote ohne ihre Einwilligung als Modell für Beatmungspuppen zu nehmen.

Daher empfiehlt der Medizin-Ethiker auch, das Bild des toten Mädchens aus der Seine zu verfremden, wenn es für Abbildungen genutzt wird.