Europäische Digitalpolitiker haben die Tech-Industrie aufgefordert, die Messengerdienste aller Firmen untereinander kompatibel zu machen. Nicht nur Marc Zuckerbergs Instagram, Facebook und Whatsapp, sondern eben wirklich alle. Dafür soll ein einheitlicher Standard eingeführt werden.

Die drei Messengerdienste seiner Firmen Instagram, Facebook und Whatsapp will Marc Zuckerberg bald zu einer Art Meta-App zusammenlegen. Diese hätte dann beeindruckende 2,7 Milliarden Nutzer. Wer zum Beispiel bei Whatsapp ist, aber nicht bei Facebook oder Insta, kann dann trotzdem auch Menschen Nachrichten schicken, die dort angemeldet sind. Wie genau das alles aussehen soll, ist noch unklar.

"Protokoll Interoperabilität"

Einige EU-Politiker möchten jetzt darüber hinaus, dass alle Messengerdienste untereinander kompatibel sind. Dafür möchten sie einen technischen Standard namens "Protokoll Interoperabilität" einführen. Unter anderem EU-Kommissarin Margaret Vestager und Katarina Barley, SPD-Spitzenkandidatin fürs Europaparlament, setzen sich dafür ein.

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Auch der Bundestag hat sich bereits für die Einführung eines solchen verbindlichen Messenger-Standards ausgesprochen. Aus zwei Gründen wäre das gut, sagt Netzreporterin Martina Schulte.

  1. User könnten alle Freunde mit nur einem Messenger erreichen
  2. Es wäre ein Schlag gegen die Zuckerbergsche Marktmacht
"Wenn man seinem Kumpel bei Threema künftig auch von Facebook aus eine Nachricht schicken kann, dann steht der Kumpel weniger unter Druck, zu Whatsapp zu wechseln, wenn er kostenlos chatten will."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Ob der Standard tatsächlich kommt, hängt davon ab, ob die EU die Regelung gesetzlich festschreibt, erklärt Martina Schulte. Im Moment setzt Brüssel nämlich noch darauf, dass die Tech-Industrie das freiwillig einführt. Die ist aber wenig begeistert davon: Mark Zuckerberg wird wohl kaum freiwillig auf seine Quasi-Monopolstellung verzichten. Und auch die kleinen Anbieter haben Angst, dass der Schuss der EU-Politiker für sie nach hinten losgehen könnte, schreibt das Blog netzpolitik.org.

Zurückhaltung bei den Anbietern

Roman Flepp, Chef der besonders datenschutzfreundlichen App Threema, geht zum Beispiel davon aus, dass eine Standard-Regelung letztendlich sogar eher den Platzhirschen zu Gute kommt. Weil sich nämlich alle bisher sehr unterschiedlichen Messengerdienste auf einen gemeinsamen Standard bei Technik und Datenschutz einigen müssten. Auf Whatsapp müssen sich Nutzer etwa mit ihrer Telefonnummer anmelden, bei Threema ist das dagegen nicht nötig. Wer wird sich da durchsetzen? Und wer wird die Einhaltung des Standards kontrollieren? Vieles ist noch ungeklärt.

"Es gibt noch eine Menge offener Fragen – auch, wer diesen allgemein verbindlichen Standard kontrollieren und betreiben soll."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Unsere Netzreporterin hält die Einführung des gemeinsamen Messenger-Standards in naher Zukunft für wenig realistisch. Es sei eine Politiker-Forderung, die sich im Europawahlkampf gut macht. Abschreiben möchte sie den Standard aber auch nicht. Wissenschaftler arbeiten zurzeit zum Beispiel an einem neuen Protokoll für Nachrichten mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Das ist der sogenannte "Messaging Layer Security" oder MLS-Standard. Er soll noch in diesem Jahr fertig sein – und hätte das Zeug dazu, neue Brücken zwischen den Messengern zu schlagen, glaubt zumindest netzpolitik.org.