Beim Europa League Finale zwischen dem FC Arsenal London und Chelsea in Baku, Aserbaidschan, will Henrikh Mkhitaryan nicht spielen. Der Spieler von Arsenal London ist armenischer Staatsbürger – und macht sich Sorgen um negativen Folgen für ihn und seine Familie.

Die Feindschaft zwischen Aserbaidschan und Armenien hat bereits eine ziemlich lange Geschichte. Immer wieder droht Krieg zwischen den beiden Staaten auszubrechen. In den deutschen und den britischen Medien ist die Rollenverteilung ziemlich klar: Aserbaidschan ist der Bösewicht und Mkhitaryan als Armenier das Opfer. Für den Sportjournalisten Marcus Bark gibt es tatsächlich – auch ohne die Geschichte von Henrikh Mkhitaryan – viele Gründe, ein Finale nicht ins aserbaidschanische Baku zu verlegen, wo ein autoritäres Regime an der Macht ist. Auf dem Pressefreiheitsindex von Reporter ohne Grenzen liegt Aserbaidschan auf Platz 166 von 180. Amnesty International und Human Rights Watch berichten über massive Menschenrechtsverletzungen.

Ob und wie groß die Gefahr für Henrikh Mkhitaryan persönlich ist, wenn er beim Finale in Baku aufläuft, lässt sich aus der Entfernung nicht sicher beurteilen, erklärt Marcus Bark. Er beschäftigt sich bereits seit längerem mit der Region. Es gibt Stimmen in Aserbaidschan, die sagen, Mkhitaryan ließe sich nur vor den Karren der armenischen Regierung spannen. Zudem hat die Uefa verlauten lassen, es gäbe Sicherheitsgarantien seitens der Aserbaidschaner.

Auch in Armenien gibt es kritische Stimmen, dass Henrikh Mkhitaryan nicht in Baku spielen will. Denn mit einem Protest vor Ort in Baku hätte er mehr erreichen können als mit einem Boykott des Finales. Die Entscheidung von Mkhitaryan, nicht in Aserbaidschan zu spielen, ist allerdings nicht neu. Er hat auch schon als Spieler von Borussia Dortmund auf eine Reise nach Aserbaidschan verzichtet. Auch beim Vorrundenspiel von Arsenal in der Europa League ist Mkhitaryan nicht mit nach Aserbaidschan gefahren.

"Es gab die Europaspiele 2015, die auch dazu dienen sollten, dem Präsidenten schöne Bilder zu bescheren, was ihm auch gelungen ist. Da waren 25 armenische Sportler vertreten und denen ist nichts passiert."
Marcus Bark, Sportjournalist

Grundsätzlich stellt Marcus Bark fest: Ausländern passiert in Aserbaidschan sehr wenig, das gilt auch für Armenier. Er hat das festgestellt, als er 2017 selber für einige Zeit in Aserbeidschan war. Aber wer dort zu leiden hat, das sind die Aserbaidschaner selber, wenn sie sich zum Beispiel regierungskritisch äußern. Und trotzdem, sagt Marcus Bark, ist es von außen sehr schwer zu beurteilen, wie die Lage für Henrikh Mkhitaryan persönlich ist oder für seine Familie, über die fast nichts bekannt ist. Auch, weil wir zu wenig über Aserbaidschan wissen. Denn das Land ist eigentlich nur im Blickpunkt, wenn dort Formel-1-Rennen stattfinden oder wenn dort nächstes Jahr Spiele der Fußball-Europameisterschaft 2020 ausgetragen werden.

"Er selber hat sich dazu nur geäußert, er habe alle Optionen abgewägt und sich dann entschieden, nicht zu fahren. Warum ist unbekannt."
Marcus Bark, Sportjournalist

Aserbaidschan als Hauptsponsor der Uefa

Dass trotzdem immer wieder Sportgroßereignisse in Ländern ausgetragen werden, die autoritär regiert werden und in denen Menschenrechte und Pressefreiheit wenig gelten, hat gute Gründe. Zumindest aus Sicht der Verbände und Veranstalter. Denn dort wird mitunter offen darüber gesprochen, dass es eben leichter ist, die Veranstaltungen zu organisieren, weil es ein großes Entgegenkommen seitens der Staaten gibt. Auch, weil sich die Staatsoberhäupter eben genau mit solchen Veranstaltungen schmücken wollen.

"Der Präsident Ilham Alyev ist darum bemüht, schöne Bilder zu kriegen und der wird alles daran setzen, dass er diese schönen Bilder auch kriegt."
Marcus Bark, Sportjournalist

Und dann gibt es da noch die Sache mit dem staatlichen aserbaidschanischen Energieunternehmen Socar. Das verwaltet vor allem die Ölvorkommen in Aserbaidschan, mit denen das Land reich geworden ist. Socar ist einer der Top-Sponsoren der Uefa. "Und wer zahlt, bestimmt die Musik", sagt Marcus Bark. Das gelte besonders für den Fußball.