In Schottland soll ein europäischer Weltraumbahnhof entstehen. Von der Halbinsel A Mhoine in der Grafschaft Sutherland könnten demnach bereits im kommenden Jahrzehnt Raketen ins Weltall starten. Wir fragen uns: Was braucht ein Weltraumbahnhof eigentlich alles?

Ein Weltraumbahnhof muss ganz grundsätzlich erst mal Folgendes mitbringen, erklärt der Astrophysiker Michael Büker:

  • viel Platz, weil enormer Lärm entsteht, Feuer austritt und gegebenenfalls etwas explodieren kann
  • gute Verkehrsanbindung, um die riesigen Teile anliefern zu können
  • große Anlagen, hoch wie Windräder, um mit den Raketen umzugehen: die Teile werden vor Ort zusammengebaut und im Ganzen aufgerichtet

Wenn man ein Raumschiff ins All bringen möchte, muss man sehr viel Energie aufwenden. Orte, die sich in der Nähe des Äquators befinden, haben deshalb Vorteile, so Büker. Aus diesem Grund ist der Weltraumbahnhof der Europäischen Weltraumorganisation Esa auch in Südamerika, in Kourou in Französisch-Guyana angesiedelt. 

"In Äquator-Nähe nimmt man schon ein bisschen Umdrehungsgeschwindigkeit der Erde mit beim Start."
Michael Büker, Astrophysiker

Außerdem möchte man, dass "im Osten nichts los" ist, erklärt unser Experte. Die Raketen werden nämlich Richtung Osten gestartet. Falls etwas schief geht und zum Beispiel große Teile herunterfallen, ist es also gut, wenn dort einfach nur Meer oder menschenleere Einöde ist. 

Äquatornähe und Platz im Osten

Praktisch sind eine riesige Steppe wie neben dem Kosmodrom Baikonur in Kasachstan oder das Meer neben dem Kennedy Space Center in Florida. Beide Voraussetzungen – Platz im Osten und Äquatornähe – sind in Europa nicht gegeben, weil es dicht besiedelt ist.

Trotzdem macht der Weltraumbahnhof in Europa Sinn, erklärt Michael Büker. Der Standort im äußersten Norden der schottischen Highlands wurde nämlich ausgewählt, weil Satelliten von dort direkt in eine geeignete Umlaufbahn gebracht werden können – eine Umlaufbahn, von der sich die Erde gut beobachten lasse, ein sogenannter polarer Orbit

Schottland gut für Erdbeobachtungs-Orbit 

In Schottland seien viele der dafür günstigen Gegebenheiten vorhanden: Platz drumherum, im Norden das Meer und die Lage in der Nähe eines Pols. Bauen soll den Weltraumbahnhof übrigens ein Konsortium, dem unter anderem der US-amerikanische Luft-und-Raumfahrtkonzern Lockheed Martin angehört. Das teilte die britische Weltraumagentur UK Space Agency am Montag (16.07.2018) mit. 

Außerdem lässt die britische Regierung gerade prüfen, welche Standorte auf der Insel sich für den "horizontalen Start" von Raketen eignen. Dabei bringen Flugzeuge die Raketen in große Höhe, bevor sie über dem Meer ins All gestartet werden. London erhofft sich von eigenen Weltraumbahnhöfen einen Schub für die Wirtschaft von 3,8 Milliarden britischen Pfund, umgerechnet rund 4,3 Milliarden Euro, in den kommenden zehn Jahren.


Mehr zum Thema: