In Straßburg hat die Legislaturperiode des neuen EU-Parlaments begonnen. Dabei stehen die Abgeordneten vor den alten Problemen. Frischen Schwung und weniger Bürokratie hatten sie im Wahlkampf versprochen, doch schon sieht es so aus, als würde sich doch nicht viel ändern. Überall klemmt es nach wie vor. Sascha Dickel und Philipp von Wussow befassen sich mit zwei der vielen Themen.

Der Mediensoziologe Sascha Dickel schaut darauf, wie sich derzeit die Strukturen in der Öffentlichkeit wandeln und gleichzeitig die Digitalisierung darauf zugeschnitten wird. Dickel erinnert an den ursprünglichen Diskurs an Stammtischen und in Kaffeehäusern, als sich die Menschen noch dort über gesellschaftliche Themen gestritten haben. Abgelöst wurde diese Epoche durch die Jahrzehnte der Massenmedien, die nun Konkurrenz durch digitale Akteure bekommen hätten.

"Das Meiste, was gesagt wird, verhallt ungehört, ungesehen, ungelesen."
Sascha Dickel, Mediensoziologe

Der Wissenschaftler legt dabei den Finger auf die Wunde des Digitalen: Er verdeutlicht, dass Hashtags, eskalierende Threads und Algorithmen Strukturen vorgeben, die nicht der Weisheit letzter Schluss sein könnten. So blieben die digitalen Filter eine Blackbox für die Nutzer: Niemand könne mehr sicher sein, dass eine Nachricht den Empfänger auch tatsächlich erreicht oder diese eben durch den Filter rutscht. Während die Strukturen der Massenmedien allgemein verstanden seien, gelte dies für die Risiken der Digitalisierung noch lange nicht.

EU hinkt beim Schutz vor Cyberangriffen hinterher

Philipp von Wussow, ein Informationswissenschaftler ordnet die großen Gefahren der Digitalisierung ein, indem er mögliche Cyberangriffe thematisiert. Die EU sei kein großer Player auf diesem Gebiet und hinke den USA, China und Russland weit hinterher. Auch Deutschland könne wenig ausrichten gegen Hackerangriffe, die von diesen Staaten ausgehen.

"Es wäre also schön, wenn sich Europa als Cyber-Sicherheitsmacht konstituieren und dadurch eine strategische Wirkung erzielen könnte."
Philipp von Wussow, Informationswissenschaftler

Ein ausgeklügelter Plan der EU sei für ihn jedoch nicht zu erkennen. Zu unterschiedlich seien die Ziele der einzelnen Mitgliedsstaaten: Die einen wollten die Cyberabwehr für Spionage gegen die eigenen Bürger einsetzen, andere, um sich von den USA unabhängig zu machen und wieder andere verfügten noch nicht einmal über eine Cyber-Sicherheitsstrategie.

Sascha Dickel ist Mediensoziologe an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Vorgetragen hat er über: "Digitale Demokratisierung? - Zum neuen Strukturwandel der Öffentlichkeit". Veranstalter war die Frankfurt University in Kooperation mit dem "Center for Applied European Studies" am 17. Mai 2019.

Philipp von Wussow ist Informationswissenschaftler am Hamburger "Institut für Theologie und Frieden". Sein Thema lautet: "Die EU und ihre Technologieverantwortung - Cyberspace-Bedrohung". Er sprach auf einem Bürgerforum der Universität Hildesheim am 27. April 2019.