Vor circa 50.000 Jahren hat der Mensch einen ziemlichen Satz nach vorne gemacht und begann sich auch für Kunst zu interessieren. Stichwort: Höhlenmalerei. Forscher in den USA wollen dafür eine Erklärung gefunden haben: Testosteron.

50.000 Jahre ist es her, dass der Homo Sapiens auf die Idee kam, vor Feuer nicht mehr wegzurennen, sondern es zu kontrollieren und für seine Zwecke zu nutzen. Und er brachte er sich bei, Werkzeuge und Waffen herzustellen. Ungefähr aus dieser Zeit stammen auch die ersten Hinweise darauf, dass der Mensch in seiner Freizeit schon damals was für Kunst übrig hatte.

Forscher der University Of Utah und der Duke University erklären in ihrer Studie, dass dieser Entwicklungssprung damit zu erklären ist, dass der Mensch ab ungefähr diesem Zeitpunkt nicht mehr ganz so stark vom Testosteron getrieben war wie davor.

Testosteron: Mehr als nur ein Männlichkeitshormon

Testosteron ist verantwortlich für das Muskelwachstum, für die Körperbehaarung und beim Mann für die Spermienproduktion. Beim Verhalten zeigt es sich im Imponiergehabe, Sexualdrang und der Kampflust. Genau hier setzen die Wissenschaftler aus den USA an: Sie glauben, dass der Mensch vor 50.000 Jahren angefangen hat, freundlicher zu seinen Artgenossen zu sein und genau diese Verhaltensänderung, den Fortschritt in vielen Bereichen von Technik bis Kultur ermöglicht hat.

Beweis durch Schädelvergleich

Beim Vergleich von Schädelfunden mit Schädeln aus dem 20. Jahrhundert haben die Forscher festgestellt, dass das Aussehen des Homo Sapiens im Laufe der Evolution in gewisser Weise weiblicher wurde. Das wiederum kann auf den gesunkenen Einfluss von Testosteron zurückgeführt werden. An Tieren hatte man das schon zeigen können: Füchse, die gezielt so gezüchtet wurden, dass sie weniger aggressiv waren, hatten auch ein weniger kantiges Erscheinungsbild.

"Man weiß, dass zu dieser Zeit die Bevölkerungsdichte gestiegen ist. Und je mehr Menschen aufeinander hocken, desto freundlicher müssen sie sein, um es miteinander auszuhalten"
Anna Beerlink von den DRadio-Wissen-Nachrichten

Allerdings ist nicht wirklich sicher, ob damals wirklich der Testosteronspiegel unserer Vorfahren gesunken ist, oder nur die Zahl der Rezeptoren für das Hormon im Körper abgenommen hat. Doch macht das nur wenig Unterschied, denn beides läuft darauf hinaus, dass der Mensch nicht mehr so stark vom Testosteron getrieben war.