In einem Zoo in Missouri in den USA gibt es zwei Schimpansen-Weibchen, die immer wieder eine Art Polonaise aufführen. Forschende nutzen dieses Verhalten, um daran mehr über die Evolution des menschlichen Tanzes abzulesen.

Es gibt ein Video der Schimpansinnen Holly und Bahkahri, indem sie zum wiederholten Male dabei beobachtet werden, wie sie in einer sogenannten Polonaise Blankenese durch ihr Gehege laufen. Dieses Verhalten, das die beiden vor einigen Jahren spontan entwickelt hatten, hat inzwischen etwas von einem Ritual.

"Vermutlich haben die beiden Affen-Weibchen diese Art Tanz selber erfunden. In ihrem Zoo in Missouri gab es bis Anfang der 80er zwar noch so Affen-Entertainment-Shows. Aber die beiden Weibchen sind erst 1998 geboren worden."
Klaus Jansen, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichten

Die beiden greifen sich ein Bündel Stroh oder Sackleinen, richten sich auf ihre Hinterbeine auf. Bahkahri hält sich mit einem Arm an Holly fest, die wenige Zentimeter vor ihr steht. Dann gehen die beiden los: Immer synchron gleichzeitig das linke Bein hebend, dann das rechte Bein hebend – so schreiten sie voran.

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Das Besondere: Die Affen hören keinerlei Musik, die sie dazu inspirieren könnte, diese Art von Tanz aufzuführen. Die Forschenden schreiben in ihrer Studie im Fachblatt Nature davon, dass es sich hierbei um einen Proto-Tanz, also einer Art Ur-Tanz handelt. Daraus könnten sich dann später weitere Tänze entwickeln.

Die Anfänge des Tanzes

Es gibt verschiedene Theorien darüber, wie es dazu kam, dass Menschen angefangen haben zu tanzen. Dabei wird oft mit der Musik argumentiert. Rhythmen – zum Beispiel ein Trommeln – könnten die Menschen dazu verleitet haben, sich im Takt dazu zu bewegen, nehmen manche Forschenden an.

Unnatürliche Situation führt zu stereotypen Bewegungen

Forscher von der Universität im britischen Warwick haben eine andere Vermutung. Sie nehmen an, dass die beiden Affen im Zoo in Missouri dieses tanzartige Verhalten entwickelt haben könnten, weil sie in Gefangenschaft leben. Ihr Lebensraum ist begrenzt und sie befinden sich in einer unnatürlichen Situation. Unter solchen Umständen können Tiere anfangen, sich auf eine bestimmte Art zu bewegen. Das heißt, sie können stereotype Bewegungen entwickeln, die routinemäßig ablaufen und schablonenhaft aussehen.

Stress mindern durch Tanzen

Die Forschenden aus Warwick argumentieren, dass die ersten Menschen, die dieses Verhalten gezeigt haben, möglicherweise durch ähnliche Umstände zu ihren ersten Tanzschritten gekommen ist. Sie nehmen an, dass diese Menschen unter Umständen auch Stress hatten, zum Beispiel durch Umwelteinflüsse. Die Vorläufer von Tänzen könnten ihnen dabei geholfen haben, ihren Stress besser zu bewältigen. Außerdem kann das Tanzen auch dafür gesorgt haben, dass sie sozialen Zuspruch von anderen aus ihrer Gruppe erhalten.

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"Die beiden Affen im Zoo, die könnten dieses tanzartige Verhalten entwickelt haben, weil sie gefangen gehalten werden."
Klaus Jansen, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichten, über die Einschätzung des Verhaltens zweier Schimpansinnen in einem US-Zoo.

Die Forschenden leiten aus diesen Beobachtungen ab, dass Tanzen nicht zwangsläufig mit und durch Musik entstanden sein muss. Fast alle Untersuchungen zur Entwicklung von Tanz werden mit moderner Musik durchgeführt, also mit Musik aus dem 20. oder 21. Jahrhundert. Dabei ist es egal, ob Menschen oder Tiere untersucht werden. Die Forschenden erhoffen sich mit dieser Untersuchung einen Denkanstoß dafür gegeben zu haben, dass der Tanz sich auch anders, also unabhängig von Musik, entwickelt haben kann.