Wir sprechen mit dem Evolutionsforscher Arne Traulsen darüber, ob der Impuls nett zu sein ein evolutionärer Vorteil ist.

Menschen, die sich für andere einsetzen, sind nicht nur zufriedener und gesünder als Egoisten – sie leben sogar länger. Das haben mehrere große Studien ergeben. Aber warum ist das, rein biologisch, so?

"Nett ist ein Begriff, den wir gar nicht benutzen würden, weil er sehr schwammig ist."

Evolutionsbiologen sprechen eher über Kooperation und Nicht-Kooperation. Und besonders interessant ist es für die Forscher, wenn beispielsweise Insekten ihre eigene Fortpflanzung aufgeben, um einer anderen Gruppe zu helfen. Oder das Verhalten bei Menschen, die jemandem helfen, ohne dass sie erwarten können, jemals etwas davon zurück zu bekommen.

"Wenn ich wiederholt immer wieder mit der gleichen Person interagiere, dann macht das natürlich ganz viel Sinn, dem heute zu helfen, dann hilft der mir morgen auch."

Schon Jäger und Sammler waren nett

Ist es dumm, wenn Menschen beispielsweise einander vertrauen und sich gegenseitig helfen? Nein, sagt Arne Traulsen und bezieht sich auf die kleinen Gemeinschaften zur Zeit der Jäger und Sammler. Denn schon da hat es sich ausgezahlt, wenn die Menschen innerhalb der Gemeinschaften nett zueinander waren.

Wenn Nett-sein ansteckend wirkt

Arne Traulsen findet, dass sich absolut lohnt, nett zu sein. Er ist der Meinung, dass man allein durch den guten Ruf, den man sich durchs Nett-sein zulegt, am Ende viel mehr zurück bekommt als man hineingesteckt hat. Und es gibt sogar Studien, die herausgefunden haben, dass Kooperation oder nennen wir es das Nett-sein sich in Gesellschaften ausbreiten kann, in denen man es gar nicht vermutet hätte.