Das mit der Schwerelosigkeit ist so eine Sache. Manchmal ist sie hinderlich – manchmal hilfreich. Auf dem Klo zum Beispiel. Die deutsche Ingenieurin Franziska Wülker hat für einen Nasa-Wettbewerb eine Toilette entworfen, die sowohl in der Schwerelosigkeit als auch bei reduzierter Schwerkraft auf dem Mond funktioniert.

Im Idealfall läuft es ja so: Po aufs Klo, Urin und Kot plumpsen nach unten und verschwinden auf Nimmerwiedersehen in der Kanalisation. Fehlt die Schwerelosigkeit, wird dieses tägliche Geschäft aber zur Wissenschaft. Und deshalb hat die Nasa einen Wettbewerb ausgelobt, die "Lunar Loo Challenge".

Ein Klo fürs Weltall? Challenge accepted!

Als die Ingenieurin Franziska Wülker davon in der Zeitung las, dachte sie direkt, dass das ein cooles Projekt ist, erzählt sie. Und als ihr Chef sie dann auch noch darauf ansetzte, war sofort klar: Challenge accepted!

"WCs sind mein täglich Brot. Ich bin dafür da, dass unsere Toiletten gut spülen."
Franziska Wülker, Ingenieurin für die Entwicklung von Spülsystemen

Franziska Wülker hat tagtäglich mit Klos zu tun. Für einen großen Hersteller von Badeinrichtungen ist sie für die Spülungen zuständig. Nur: Bei der Ausschreibung der Nasa war ja weniger Design ausschlaggebend. Und Wasser zum Spülen schied aus – zu kostbar ist diese Ressource im Weltall.

Franziska Wülker machte also das beste, was man tun kann, wenn man vor einer komplexen Herausforderung steht: Das Problem in Teilprobleme aufteilen und die einzeln angehen. Die Mission Mondklo bestand für sie aus zwei Teilproblemen, erklärt sie im Interview:

  1. Das "große und kleine Geschäft" der Astronauten und Astronautinnen muss wegtransportiert werden.
  2. Diese Geschäfte müssen sicher in einen Tank transportiert werden, damit sie nicht – wie bei früheren Missionen – durchs Raumschiff schweben.

Weil Urin und Kot im All eben nicht einfach nach unten fallen, hat die Ingenieurin eine Art kosmischen Staubsauger entwickelt, damit alles abgesaugt wird. Problem 1: gelöst!

Weltraumtoilette nach dem Prinzip Salatschleuder

Und dann? Für das zweite Teilproblem ließ sich Franziska Wülker von einer Salatschleuder inspirieren: Die Exkremente werden ihrem Entwurf nach in eine Zentrifuge geleitet, die alles in den Tank schleudert – wo keine Schwerkraft ist, hilft also Schleuderkraft. Im Tank sorgt dann ein Rückschlagventil dafür, dass Pipi und Kacke da bleiben, wo sie sollen.

"Die größte Herausforderung bei der Entwicklung war, gedanklich die Schwerkraft abzuschalten.“
Franziska Wülker, Ingenieurin für die Entwicklung von Spülsystemen

Wie so oft, wenn wir vor einem Problem stehen, fiel es auch Franziska Wülker schwer, sich von gewohnten Denkmustern zu befreien. Schwerkraft ist halt immer da. Eigentlich. Umzudenken war also schwer, erzählt sie, weil man eben gewohnt ist, dass alles nach unten fällt. Um zu überprüfen, dass ihre Ideen auch wirklich funktionieren, nutzte sie ein Simulationsprogramm, in dem sie die Schwerkraft digital einfach ausschalten konnte.

Weltweit hatten mehr als 2000 Entwicklerinnen und Entwickler die Klo-Challenge angenommen, so die Nasa. Franziska Wülker schaffte es mit ihrem Entwurf auf Platz 3 und sahnte 5000 Dollar dafür ab. Die Nasa puzzelt sich jetzt aus den Einreichungen und den darin enthaltenden Ideen ein Mondklo zusammen, erzählt die Ingenieurin ein bisschen stolz. Vielleicht kommt bei der nächsten Mondmission 2024 dann ja auch das Prinzip Salatschleuder zum Einsatz, wer weiß...