Die Schweizer Stadt Chur ist gerade auf der Suche nach einem neuen Exorzisten, nachdem der alte verstorben ist. Religionswissenschaftlerin Nicole Bauer erklärt, dass Exorzismus heute immer noch so betrieben wird, wie vor 400 Jahren.

Christoph Casetti, der bekannteste Teufelsaustreiber der Schweiz, ist gestorben. Nun sucht das Bistum Chur einen neuen Exorzisten. Exorzismen gab und gibt es innerhalb und außerhalb der katholischen Kirche.

Nicole Bauer ist Religionswissenschaftlerin und lehrt an der Theologischen Fakultät Innsbruck. Sie berichtet, dass ein Exorzismus innerhalb des katholischen Glaubens heute im Grunde noch so abläuft wie 1614 im Rituale Romanum festgelegt. Erlernt wird der Beruf in Exorzismus Kursen. Nicole Bauer hat selbst an so einem teilgenommen.

Die Kurse dienen der internationalen Vernetzung der Exorzisten. Diese verträten in der Regel recht konservative Moralvorstellungen und befänden sich in einem relativ ultrakonservativen christlichen Kontext, sagt die Religionswissenschaftlerin.

Exorzismus: In der katholischen Kirche umstritten

Der Film "The Exorcist" von 1973 erscheint den meisten von uns, die ihn gesehen haben, vielleicht extrem übertrieben – er liege aber gar nicht so weit daneben, was die Rituale angeht, sagt Nicole Bauer. Man müsse nur die Special Effects abziehen.

Für den Austreibungsritus gelten bestimmte Regeln: Der betroffene Mensch wird mit Weihwasser besprengt, bestimmte Litaneien werden gebetet und es werden das Kruzifix und andere christliche Symbole benutzt. Im lateinischen Austreibungsgebet wird der Dämon dann aufgefordert, den Menschen zu verlassen.

Die Religionswissenschaftlerin berichtet, dass es dieses Angebot in den verschiedensten religiösen Kontexten gibt – nicht nur in der katholischen Kirche. Dort sei das Thema äußerst umstritten.

"Ja, wer glaubt denn da heute noch an den Teufel? Das ist ja etwas Irrationales. Also nicht jeder Katholik glaubt an den Teufel. Und nicht jeder katholische Theologe sieht die Sache unkritisch."

In den letzten Jahren habe die Kirche begonnen, ein neues Angebot zu entwickeln und dieses alte Ritual neu zu inszenieren und ein bisschen marktfreundlicher zu gestalten, sagt Nicole Bauer. Sie vermutet, das könne auch am allgemeinen Interessenzuwachs an sogenannten okkulten Themen liegen.

Sie glauben an ihre Besessenheit

Die Menschen, die glauben Besessen zu sein, ließen sich nicht ohne weiteres charakterisieren. Nicole Bauer vermutet, dass viele von ihnen Probleme haben und Hilfe suchen.

"Das sind Menschen, die auf die Idee gekommen sind, das könnte ein Teufel sein. Eine externe Macht könnte für die Probleme, für bestimmte Gefühle verantwortlich sein."