Ammoniumnitrat kennen wir bisher eher im Zusammenhang mit landwirtschaftlichen Themen. Doch jetzt hat es zu einer enormen Explosion am Hafen von Beirut geführt. In Verbindung mit Hitze kann es nämlich hochexplosiv sein.

NH4NO3 – oder Ammoniumnitrat – ist ein Salz, das aus Ammoniak und Salpetersäure entsteht. In der festen Form bildet es farblose Kristalle, die je nach Lagertemperatur in verschiedenen Kristallformen vorliegen können. Wird es allerdings erhitzt, reagiert es leicht zu Wasser und Lachgas. Bei einer stärkeren Erhitzung geht das Ammoniumnitrat explosionsartig in Wasser, elementaren Stickstoff und Sauerstoff über, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Wiebke Lehnhoff. Genau das ist im Fall der Explosion von Beirut passiert.

"Wenn Ammoniumnitrat stark erhitzt wird, geht es explosionsartig vom Feststoff zu Wasser, Stickstoff und Sauerstoff über."
Wiebke Lehnhoff, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Große Mengen an Ammoniumnitrat gelagert

Am Hafen von Beirut wurde seit mehreren Jahren eine sehr große Menge des Stoffs, schätzungsweise 2.750 Tonnen, gelagert. Diese sollen von einem Frachtschiff stammen, dem im Jahr 2013 die Weiterfahrt verboten wurde. Das Ammoniumnitrat wurde deshalb vom Schiff heruntergeholt und lag seitdem in einem Lagerhaus ohne angemessene Sicherheitsvorkehrungen. Vor der Explosion gab es einen angrenzenden Brand am Hafen, den die Feuerwehr nicht unter Kontrolle bringen konnte und der wohl die Explosion auslöste.

Sehr hohes spezifisches Schwadenvolumen

Dass es zu einer so enormen Druckwelle gekommen ist, wie es auf vielen Videos zu sehen ist, liegt daran, dass der Stoff eines der höchsten spezifischen Schwadenvolumen hat. Das ist die Gasmenge, die entsteht, wenn sich ein Kilo fester Sprengstoff in Gas verwandelt. Bei Ammoniumnitrat entstehen dabei mehr als etwa 980 Liter Gas pro Kilo.

Fernhalten von Wärmequellen

Da das Ammoniumnitrat als brandfördernd gilt, muss es normalerweise unter angemessenen Sicherheitsvorkehrungen gelagert werden. In Deutschland ist der Umgang mit dem Stoff durch das Sprengstoffgesetz geregelt. Beispielsweise darf es in Düngemitteln nur noch verwendet werden, wenn es mit harmlosen Stoffen wie beispielsweise Kalk vermischt ist. Und ganz wichtig: Ammoniumnitrat muss von anderen Brennstoffen und Wärmequellen ferngehalten werden, sagt Chemikerin Andrea Hoferichter.

Andrea Hoferichter, Chemikerin
"Ammoniumnitrat muss unter speziellen Sicherheitsvorkehrung gelagert werden. Es muss ferngehalten werden von Zündquellen, Wärmequellen und brennbaren Stoffen."

Auch bei uns gab es schon ein sehr schweres Unglück mit Ammoniumnitrat. 1921 explodierte bei BASF in Ludwigshafen ein Ammoniakwerk mit Düngemitteln. Fast 560 Menschen wurden getötet, die Explosion war angeblich noch im 300 Kilometer entfernten München zu hören.