Die Explosion in Beirut machte viele Menschen obdachlos. Der Staat hilft nicht, was auch an der politischen Krise liegt. Die neue Regierung vertritt eher das alte System.

Vor vier Wochen, am 4. August, explodierte in Beirut, der Hauptstadt des Libanon, ein Lager mit Ammoniumnitrat. Die deutsche Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe schätzte die Sprengkraft auf bis zu 1100 Tonnen TNT-Äquivalent. Rein rechnerisch entspricht das der Explosion von 100 GBU-43-Fliegerbomben – die sprengkraftstärkste konventionelle Fliegerbombe im Arsenal der US-Streitkräfte.

Versicherte Gebäude werden repariert

Die Explosion verwüstete große Gebiete in Beirut, viele tausend Menschen wurden verletzt, nach aktuellen Angaben starben mindestens 180 Menschen. Viele Wohnungen und Häuser sind unbewohnbar.

Inzwischen sind die betroffenen Straßen freigeräumt, und weiterhin transportieren jeden Tag LKW tonnenweise Geröll ab, berichtet Anne Allmeling, ARD-Korrespondentin für den Libanon. Auch wurden manche Gebäude schon repariert – allerdings in erster Linie die größeren, in denen Unternehmen ansässig sind oder Hotels – und die entsprechend versichert sind. Dort seinen zum Teil auch schon die Glasscheiben wieder eingesetzt worden, berichtet Anne Allmeling.

Kein Geld für Wohnungssanierung vom Staat

Normale Wohnhäuser sind, wenn sie überhaupt zu sanieren sind, oft noch im zerstörten Zustand, was dazu führt, dass viele Menschen immer noch obdachlos sind. "Die meisten haben auch kein Geld, um ihre Wohnungen wieder herzurichten", sagt Anne Allmeling, ″und Geld vom Staat gibt es auch nicht.″

"Die, die an der Macht sind, wehren sich noch recht erfolgreich gegen ein neues politisches System."
Anne Allmeling, ARD-Korrespondentin für den Libanon

Der Libanon ist seit Jahren in einer politischen Krise. Sechs Tage nach der Explosion trat die Regierung unter Premierminister Hassan Diab zurück.

Inzwischen gibt es einen Kandidaten, der beauftragt wurde, eine neue Regierung zu bilden: Der bisherige Botschafter des Libanon in Berlin Mustafa Adib. Das Problem: "Er gilt als einer, der der politischen Elite angehört, also genau der Gruppe, die dieses Land in den Abgrund geführt hat", sagt Anne Allmeling.

Konkret heißt das: Die Verwaltung hat sich zum Beispiel nicht um das Ammoniumnitrat-Lager im Hafen gekümmert und damit eine "tickende Zeitbombe" in Kauf genommen.

Manche fordern ein komplett neues politisches System im Libanon. Anne Allmeling schätzt aber, dass das ein schwieriger Prozess werden wird: "Doch die, die an der Macht sind, wehren sich noch recht erfolgreich dagegen."