Seit rund zehn Jahren scheint Lukas Irmler jeden Rekord auf der Slackline zu brechen: Höchste, tiefste, weiteste Slackline - und das weltweit. Fünf Kontinente hat er mit seinem Team bereist. Inzwischen ist der Sport sein Beruf geworden.

Wer schon mal auf einer Slackline gestanden hat, weiß wie schwer es ist, sich oben zu halten. Auch für Lukas Irmler war es am Anfang frustrierend. Aber Lukas war hartnäckig genug und hat solange geübt, bis er die ersten Schritte sicher auf der Slackline gehen konnte. Das war vor rund zehn Jahren, als er 18 war.

"Die Slackline ist etwas Nachgebendes, Schwingendes, sich in allen drei Raumdimensionen Bewegendes, darauf muss der Körper sich erst einmal einstellen."

Seit Lukas sich sicher auf der Slackline bewegt, hat er schon viele Rekorde gebrochen. Eine Auswahl:

  • 2013 höchste Slackline auf 5200 Metern am Yanapaccha in Peru gespannt
  • 2016 längste Slackline mit 800 Metern Länge in der Nähe von Nizza
  • 2015 tiefste Slackline in 500 Metern Tiefe in einer Höhle bei Grenoble

Slackline wirke zwar wie ein Individualsport sei, weil man alleine auf der Slackline steht, sagt Lukas. Tatsächlich braucht Lukas ein ganzes Team, auf das er sich komplett verlassen kann: "Weil das ja auch die Leine aufbaut, der ich nachher mein Leben anvertraue." So mussten in Peru gleich zwei Teams die gegenüberliegenden Gipfel des Yanapaccha erklimmen und dort die Verankerungen für die Slackline anbringen.

"So ein gewisses Kribbeln, so eine Grundangst ist immer noch da. Das ist auch notwendig, damit man den richtigen Respekt vor der Höhe und den Situationen hat."
Lukas Irmler, Slackliner

Neben den Rekorden "höchste" und "längste" wollte Lukas einfach mal das Gegenteil machen: Mit seinem Team machte er sich auf die Suche nach einer geeigneten Höhle, um die "tiefste" Slackline zu installieren. 

Es hat schon einige Zeit gedauert, sagt Lukas, bis sie überhaupt eine geeignete Höhle gefunden hatten. Schließlich entdeckten sie in der Gouffre Berger bei Grenoble auf minus 500 Metern einen gigantischen Saal, den Salle des Treize, mit einer Höhe von 60 Metern. In dem Saal spannten sie eine 85 lange und 30 Meter hohe Slackline.

Bei solchen Rekorden entstehen atemberaubende Bilder und es sieht wahnsinnig gefährlich aus. Tatsächlich ist Lukas aber sehr gut gesichert. Das Sicherungsseil befindet sich unter der Slackline, so dass es meistens kaum zu sehen ist. An diesem Sicherungsseil hängt sich Lukas mit einem Klettergurt ein. "Selbst wenn die Slackline reißen würde, würde mich das Sicherungsseil immer noch auffangen."

"Das Gefühl, so etwas anfänglich Unmögliches dann doch machbar gemacht zu haben, das war phänomenal."
Lukas Irmler, Slackliner

Sein persönliches Highlight waren die Viktoria-Fälle in Simbabwe, die größten Wasserfälle der Welt, die auch Weltnaturerbe sind. Nach einem mehr als zweieinhalb Jahre dauernden Planungsprozess durfte das Team 2014 eine 100 Meter lange Slackline über die Schlucht spannen. "Das war ein absoluter Traum, der in Erfüllung gegangen ist", sagt  Lukas. "Ein Erlebnis, vor diesen Fällen balancieren zu können, das man sicher nicht mehr vergessen wird."