Wir erleben Extremwetterereignisse wie Starkregen, Dürre, Hurrikan, Hitze oder Hochwasser. Ist der Klimawandel schuld daran und treten sie wegen ihm häufiger auf?

Friederike Otto ist Physikerin und stellvertretende Direktorin des Environmental Change Institute in Oxford. Sie untersucht Wetterphänomene und hat vor fünf Jahren die neue wissenschaftliche Ausrichtung Attribution Science, zu Deutsch: "Zuordnungswissenschaft" mitbegründet. Aufgabe der Attribution Science ist, festzustellen, welche Rolle der Klimawandel bei Extremwetterereignissen spielt.

„Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen brauchen wir keine Beweise mehr, dass es den Klimawandel gibt, daran gibt es keine Zweifel.“
​Friederike Otto, stellv. Direktorin des Environmental Change Institute, Oxford

Fest steht: Das Wetter hat sich in manchen Regionen der Welt verändert. Dies kann auf zwei Arten geschehen:

  • Der thermodynamische Effekt: Dadurch, dass mehr Treibhausgase in der Atmosphäre sind, erwärmt sich diese. Dadurch nimmt im globalen Mittel die Wahrscheinlichkeit für Hitzewellen und Starkregenfälle zu.
  • Der dynamischer Effekt: Die Atmosphäre und deren Zusammensetzung verändert sich, dadurch kann sich die Zirkulation verändern. Das wiederum beeinflusst die Bewegung von Wettersystemen. Dieser Effekt kann den ersten verstärken oder entgegengesetzt wirken.

Jedes Extremwetterereignisse einzeln untersuchen

Durch die Methodik der Attribution Science lassen sich keine generellen Aussagen treffen, jedes Wetterereignis muss im Einzelnen analysiert werden. Zum Beispiel gibt es eine Studie über den Zusammenhang von Starkregenereignissen in Lousiana und dem Klimawandel, die zum Ergebnis kommt, dass diese Ereignisse durch den Klimawandel um 40 Prozent zugenommen haben.

Es ist immer so, dass der Klimawandel nur einen Anteil hat. Denn Extremwetterereignisse sind immer einzigartig und haben immer verschiedene Ursachen“
​Friederike Otto, stellv. Direktorin des Environmental Change Institute, Oxford

Die Vorhersagen von Extremwettereignissen sind sehr schwierig und methodologisch noch nicht ausgereift. Friederike Otto sagt, die Methode ähnele dem Würfeln: Ein Wetterereignis wird beobachtet. Dann wird es im Modell mehrfach simuliert, um daraus eine Wahrscheinlichkeit abzuleiten. Danach wird der Klimawandel herausgerechnet und eine neue Wahrscheinlichkeit abgeleitet. Diese beiden Ergebnisse werden miteinander verglichen. Der Unterschied ist dann der messbare Anteil des Menschen an dem Extremwetterereignis.

Die Forschung von Friederike Otto kann vor Ort in Entwicklungsländern eingesetzt werden.

Zum Beispiel hat Frederieke Otto mit dieser Methode herausgefunden, dass die Hitzewellen in Südeuropa durch den Klimawandel zehnmal so wahrscheinlich geworden sind. Dagegen kann die Methode keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen den Dürrekatastrophen in Afrika und dem Klimawandel feststellen. Studien zeigen beispielsweise, dass die Beweidung der Flächen, die Bewässerung der Felder oder der Siedlungsbau eine viel stärkere Auswirkung auf Dürreereignisse haben als der Klimawandel.

Langfristig könnten durch die Attribution Science auch rechtliche Fragen aufkommen: Wer trägt die Verantwortung? Wer muss die Kosten durch Extremwetterereignisse kompensieren?